Von Ben Witter

Professor Dr. Hans Bürger-Prinz, Direktor der Psychiatrischen und Nervenklinik der Universität Hamburg und Prozeßgutachter von internationalem Ruf, saß auf einem Hocker neben seiner Sekretärin. Sie reichte ihm einen unbeschriebenen Briefbogen und sagte: „Dort kommt die Unterschrift hin, da unten links.“ Er schien nur eine Handbewegung dafür zu brauchen. Er erhob sich mit einer elastischen Drehung und führte mich hinaus. Er zögerte; der Himmel sah aus wie ein gelb verfärbtes Staubtuch. Wir gingen auf den fast fertigen Neubau der Neuro-Psychiatrischen Klinik zu. Er grüßte die Handwerker zuerst und erläuterte mir Trakte, Raumaufteilungen und Farben, preiswertes Material.

Dann öffnete er die Tür zum Hörsaal mit den zweihundertsieben Plätzen und betonte dabei die „Sieben“, zupfte an seinem schneeweißen taillierten Kittel, hielt in der Beschreibung des Saales inne, hob seine Hände; die Stille, die eintrat, wirkte dadurch beinahe feierlich. Wir gingen weiter. Er sagte, daß ihn der Maler Felixmüller porträtiert habe und dessen Sohn der Architekt der Klinik sei. Er sagte es mit der gleichen Betonung.

Prof. Bürger-Prinz erzählte, daß er morgens um Viertel nach sieben entweder auf dem Gelände des Universitäts-Krankenhauses mit seinem Rauhhaardackel spazierenginge – das Tier sei herbstlaubfarben, es habe keine Saufarbe, übrigens seien in seiner Familie stets Dackel gewesen – oder an der Alster entlang.

Wir näherten uns der Frauenklinik. Er grüßte drei Schwestern. Studenten in schwarzen Anzügen kamen vorbei, sie waren im Examen. Professor Bürger-Prinz fragte sie überraschend, wie es gewesen sei. Die Studenten wußten nicht, was sie sagen sollten. Der Professor lächelte.

Er fingerte sich eine Filterzigarette aus der Packung. Die hastige Bewegung war mir schon im Neubau aufgefallen. Wir hatten darüber gesprochen, wie lange es dauern könne, bis eine Schizophrenie zum Ausbruch kommt. Ich sagte schließlich etwas von schizoid, worauf sich sein Gesicht verzog, es erinnerte mich an eines von Wilhelm Busch.