Von Gisela Stelly

Sie lieben Dr. Kimble, den Mann auf der Flucht, sie lieben Fußball. Sie liebten Lou van Burg, und sie lieben noch immer Caterina Valente. Aber vor allem lieben sie es, sich selber auf dem Bildschirm – und von nun an möglichst auch in Farbe – wiederzufinden.

Die Fernsehserien über deutsches Familienleben werden von den Zuschauern seit Jahren mit hohen Pluswerten bedacht, werden als nette Unterhaltung, als Entspannung nach gehetztem Alltag empfunden, und als solche waren sie ja auch geplant. Wo immer der Zuschauer sich sonst verschreckt, verständnislos oder empört vom Gerät abwendet, im trauten Kreis der „Leitmüllers“, dort soll er sich wiederfinden. Und er fand sich – zwar nicht geleitet, sondern bestätigt. Ermutigt, gerührt oder schadenfroh kann er an Hand solcher Aufbaustücke sein eigenes Befinden trostvoll in das allmenschliche Schicksal einordnen.

Die Klein-, die Groß-, die Mittelfamilie, die Arztfamilie – alle kamen sie zu Wort und Tat. Und was wurde aus der Familie, der Keimzelle allen gesellschaftlichen Daseins, gemacht? Sie wurde veralbert („Firma Hesselbach“), zur Idylle gemacht („Der Forellenhof“), zum Schauplatz anständig-vernünftiger Menschen („Alle meine Tiere“), zur Kameradschaftsposse vor dem Hintergrund existentieller Bedrohung („Die Unverbesserlichen“).

Bevorzugt behandelt wurde das Milieu des Mittelmaßes, variiert nach Herzens- und nach Geistesbildung.

Da ist, allen voran, die Familie Hesselbach – mit zweiundvierzig Folgen zwar nicht kontinuierlich die beliebteste, jedoch die langlebigste Bildschirm-Familie.

Herr Hesselbach ist ein Mann von Jahren und Verantwortung, einer, der es geschafft hat, der neben einem gemütlichem (Eigen-)Heim ein kleines Unternehmen besitzt, dazu drei wohlgeratenzukunftsträchtig angepaßte Kinder und eine bieder-brave Haus- und Ehefrau von bescheidener Intelligenz. Seine Anzüge sitzen korrekt, seine Manieren sind es. Er wird geachtet, weiß die Dinge jovial und gestenreich ins rechte Lot zu bringen durch den rechten Spruch zur rechten Zeit. Noch ist er der Herr im Haus, wenn auch Schusseligkeit die Auflösung einstiger Patriarchenstellung deutlich erkennen läßt. Er schmunzelt gern und ist auch gern erstaunt über die Vielfalt dieser Welt.