Von Adolf Metzner

Länderkampf der Leichtathleten, USA gegen Deutschland in Düsseldorf: Am ersten Tag wurden die 35 000 Zuschauer in den Himmel nationaler Hochstimmung katapultiert, um am zweiten Tag um so tiefer in den Orkus der Niederlage geschleudert zu werden.

Oh, welch Balsam für die wunde, deutsche Seele, der die Bonner Szene so selten zu Aufschwüngen verhilft, als gleich bei der ersten Konkurrenz des Tages über 800 m zwei deutsche Läufer in Weiß mit dem roten Brustring und dem schwarzen Adler auf der Brust als erste dem Ziel zustrebten und dahinter sich die beiden Amerikaner mühten, von denen Bell, auf dem Papier mit 1 : 45 Min. Weltbester, sich gar als letzter über die Ziellinie quälte. Sein verzweifelter Versuch, auf der Gegengeraden mit einem Sprintspurt das Schicksal noch zu wenden, scheiterte im gleichen Augenblick als Franz Josef Kemper ernst machte. Der Münsteraner Student beherrschte das Feld jederzeit souverän und siegte wie er wollte in 1:46,2 Min. vor dem Salamandermann Adams, der sein großes Talent unter Beweis stellte.

Die Bahn, durch einen Wolkenbruch unter Wasser gesetzt, war zwar ohne Pfützen, aber doch noch so weich, daß Weltrekorde nicht gelaufen werden konnten.

8 : 3 für Deutschland, solch ein Auftakt stimuliert! Kein Wunder, daß die Differenz nach dem ersten Tag zum Sportgiganten USA nur 7 Punkte betrug. Aber schon bei der letzten Konkurrenz des ersten Flutlichtabends, der 4×100-m-Staffel, schien die aufpeitschende Wirkung des Kemper-Adams-Sieges verflogen. Die deutschen Sprinter führten jämmerliche Wechsel vor. Wilke ließ sich von Hirscht überlaufen und Enderlein startete in der Kurve schon, als sein Mann noch in weiter Ferne war. Magere 40,1 Sekunden kamen deshalb nur heraus gegen 39,3 des amerikanischen Quartetts. Einen Dämpfer also für allzu kühne Großmachtträume, die an das Wunder von Augsburg erinnerten, als der andere der beiden Industrie- und Sportriesen, die Sowjetunion, in einem grandiosen Furioso niedergerungen wurde.

Beim US-Team herrschte aber doch Alarmstimmung. Abends verhängte die Führung Ausgangssperre. Nach Montreal, wo man so überraschend gegen Europa verlor, schien plötzlich auch das Unmögliche möglich zu sein.

Der zweite Tag begann mit einem doppelten Paukenschlag – für die Yankees. Sie gewannen nicht nur das 10-km-Bahngehen, sondern erreichten auch überraschend im 10 000-m-Lauf einen Doppelsieg. In Montreal sah es so aus, als hätten die Amerikaner das Langstreckenlaufen seit dem Triumph von Tokio schon wieder verlernt. In Düsseldorf aber zeigten sie, daß sie die Tugend der asketischen Ausdauer noch beherrschen.