Antwort mit Lichtgeschwindigkeit

Von Erwin Lausch

Polizisten in neun Kreisen rings um die Bucht von San Franzisko haben einen mächtigen Verbündeten namens PIN. In Sekundenschnelle gibt PIN Auskunft über gestohlene Autos und gesuchte Personen, stellt detaillierte Auszüge aus dem Strafregister zur Verfügung und holt Auskünfte in Sacramento, der Hauptstadt Kaliforniens, oder der Bundeshauptstadt Washington ein.

PIN ist die Abkürzung von „Police Information Network“. Die gewünschten Informationen liefert ein Computer-System, dessen enormes elektronisches Gedächtnis von 50 um die Bucht von San Franzisko verteilten Außenposten angezapft werden kann.

Die Computer-Zentrale liegt in Oakland, dem Zentrum des Kreises Alameda am Nordostufer der San-Franzisko-Bucht. Als ich die Zentrale im vergangenen Monat besuchte, wurde gerade nach dem Vorleben einer Dame gefragt. In einer, Art Schreibmaschine, die an den Computer angeschlossen ist, tippte der Auskunft heischende Angestellte zunächst die Zahl 6060. Dadurch teilte er dem Computer mit, daß er eine Auskunft über eine Person wünsche. Dann tippte er den Namen: Raya, Beatrice Bebe.

Die Antwort kam prompt. Ähnlich einem elektrischen Klavier, das Töne produziert, ohne daß ein Mensch die Tasten drückt, setzte sich der Schreibmechanismus der Maschine ohne menschliches Zutun in Bewegung, gesteuert vom Computer. Auf dem Papierband, das durch die Maschine lief, erschienen zunächst Geburtsdatum und Geburtsort der Beatrice Bebe Raya und die Mitteilung, daß es sich um eine Person weiblichen Geschlechts handele. Es folgte die Rassenzugehörigkeit: „Other“, Miß Raya ist also weder Weiße noch Negerin, sondern „anders“. Auf Grund ihres Nachnamens könnte sie mexikanischer Abstammung sein.

„Hautfarbe: braun, Haarfarbe: schwarz“, ließ der Computer die Maschine tippen. Dann: „Größe: vier Fuß, zehn Inch; Gewicht: 118 Pfund.“ Es erschien die Führerschein-Nummer und die Angabe, daß Miß Raya auch unter anderem Namen auftritt und daß die Dame dreimal wegen Urkundenfälschung vorbestraft ist, außerdem die Nummer der Urteile sowie die Kennziffer der Richter. Schließlich erfuhren wir noch, daß Beatrice Bebe Raya den Namen Marilyn Scott benutzte und daß unter diesem Namen keine Vorstrafen verzeichnet sind.