Bremen

Seit vergangenem Sonntag können Liebende, die den kirchlichen Segen ihres Ehebundes durch den Autor von „Abel mit der Mundharmonika“ wünschen, nicht mehr als Phantasten gelten. Manfred Hausmann, der Dichter der „zart gesellten Wörter“ darf einen Talar tragen, er darf trauen, taufen, konfirmieren, beerdigen, das Abendmahl austeilen und von Kirchenkanzeln predigen. In der reformierten bremischen Kirche von Rönnebeck-Farge wurde er mit dem Amt eines Ältestenpredigers betraut.

Wenige Stunden vor seiner Weihe zum Prediger beantwortete der 68 Jahre alte Dichter Hausmann Fragen nach dem Prediger Hausmann.

„Ihr Entschluß, auf die Kanzel zu gehen, wird von nicht wenigen Menschen als unglaubwürdig belächelt. Tun Sie diesen Schritt, weil Sie schon immer ein verhinderter Prediger waren?“

„Bis zu einem gewissen Grade bin ich tatsächlich seit etwa 1933 so etwas wie ein verhinderter Prediger. Ich habe mich stets bemüht, in meinen Büchern so etwas wie Verkündigung zu treiben. Im Sinne Schillers ist alle Kunst heiter. Aber das Leben ist verzweifelt ernst. Ich möchte also, etwas überspitzt, sagen: Wo es anfängt, todernst zu werden, hört die Kunst auf. Das habe ich immer deutlicher gespürt. Und dann habe ich beschlossen: Trenn das, mach das sauber, sei hier Dichter, Schriftsteller, und sei auf der anderen Seite Verkünder, Prediger.“

„Woher nehmen Sie die Berechtigung zu Ihrer Verkündigung

„Aus der Bibel. Sie ist das realistischste Buch, das ich kenne. Es gibt nichts, auch nicht das gräßlichste in unserer Welt, das in der Bibel nicht vorkommt.“