Das Publikum kann freylich zu seinen Schriftstellern sagen: Ihr steht in unserm Solde. Die meisten könnten aber dem Publikum antworten: So dienen wir dir auch!

Friedrich Maximilian Klinger

Seltsames Geschäftsgebaren

In Saarbrücken existiert, wie man hört, eine „Literarische Union“. Sie tritt zur Zeit mit einem Preisausschreiben hervor. Es handelt sich dabei um einen „Internationalen Lyrikpreis“ und um einen „Internationalen Mini-Short-Story-Preis“. Wer nicht schon bei dem zweiten Namen gestutzt hat, stutzt vermutlich bei der Lektüre des Paragraphen 9 der Satzungen: „Pro Einsendung – Lyrik oder Prosa – hat der Einsender (,Im Höchstfalle dürfen 8 Gedichte bzw. 8 Mini-Short-Storys eingereicht werden‘) eine Bearbeitungsgebühr von 5 DM zu entrichten ... Abonnenten unserer Zeitschrift Unio zahlen eine Bearbeitungsgebühr von nur 3 DM.“ Bei tausend Manuskripten zu einer durchschnittlichen Bearbeitungsgebühr von vier Mark kämen 4000 Mark zusammen. Bei solchen Einnahmen kann man ganz gut als 1. Preis je 1200, als 2. je 500, als 3. je 300 DM ansetzen. Gut eingefädelt? Zu gut, scheint uns: da soll doch ganz gewiß die Rechte besser nicht wissen, was die Linke tut.

Rote Sänger

Die Moskauer Zeitschrift Sowjetskaja Kultura publizierte jüngst einen Bericht aus der Feder eines italienischen Journalisten, der scharf mit der „bürgerlichen Kulturindustrie“ Italiens ins Gericht geht: „Die kapitalistischen Kulturgeschäftsleute haben es zwar eilig, die Jugend zu einer gefügigen Masse zu machen, die sie ausnützen können, wobei sie sogar die Protestlieder zur Handelsware machen. Es stört sie gar nicht, daß dies ‚zornige‘ Lieder sind ... Aber auf diesen wohldurchdachten Angriff hat die kommunistische Jugend Italiens vor kurzem die musikalische Gegenoffensive eröffnet, indem sie die ‚rote Linie‘ propagiert, die Linie des Kampfes.“ Die apeninischen Jungkommunisten bastelten eilfertig ein „Manifest der roten Sänger“ zusammen: Sie nehmen gleichermaßen die „Ausbeuter“, „pseudofortschrittliche Politiker“ und die aufs Korn, die die Rosenbergs auf den elektrischen Stuhl brachten. Auch die „kapitalistischen Ausbeuter des jugendlichen ‚Protestes‘“ sind dran. Die Sowjetskaja Kultura freut sich: „Der Zweck der roten Linie ist es, die kapitalistische Gesellschaft wirklich in Unruhe zu stürzen.“ Und „FF“ – die Funk- und Fernsehzeitschrift der DDR – druckt den sowjetischen Bericht freudig für ihre Leser nach. Er paßt dabei kaum noch ins Konzept: Die DDR-Liederkampagne hat nämlich zur Zeit Sommerferien, vielleicht sogar Dauerurlaub.