Die Saarbergwerke AG in Saarbrücken, Deutschlands zweitgrößte Zechengesellschaft (nach der Gelsenkirchener Bergwerks-AG und vor der Hibernia AG), hat 1966 die gleichen Sorgen mit der Kohle gehabt wie die Unternehmen an der Ruhr und im Aachener Revier. Der Verlust hielt sich mit 4,2 Millionen Mark jedoch in Grenzen und ist durch Rücklagen abgedeckt worden. Obwohl die Förderung weiter eingeschränkt und die Belegschaft nochmals drastisch abgebaut worden ist, obwohl die benachbarten lothringischen Hütten gute Kunden sind und der Weg nach Süddeutschland nicht weit ist, mußten auch im vergangenen Jahr weitere 1,4 Millionen Tonnen auf die Halden gekippt werden. Sie sind inzwischen weiter auf 4,5 Millionen Tonnen gewachsen und stellen etwa ein Drittel einer Jahresförderung dar.

Die Verwaltung sucht nach Auswegen. Die Rationalisierung der Förderung durch Stillegungen – 1966 wurde die Grube Kohlwaldt aufgegeben –, durch Zusammenfassung von Förderschächten und durch höhere Schichtleistungen drückt zwar auf die Kosten, kann allein aber nicht aus der Sackgasse des Mißverhältnisses zwischen Förderung und Absatz führen. Das ist auch nicht durch eine Flucht in die Veredlung möglich, die zum Beispiel durch den Ausbau des Kraftwerks Fenne um einen 150-MW-Block verstärkt betrieben wird.

In Saarbrücken weiß man, daß das nur kleine Schritte für eine Sanierung sind. Deshalb wird „der Erweiterung der Unternehmensbasis“, wie Vorstandsvorsitzer Dr. Hubertus Roishoven es nennt, größte Aufmerksamkeit geschenkt. Die schon im Vorjahr erfolgte Hinwendung zum Mineralöl ist 1966 noch mehr intensiviert worden. Die Saarbergwerke haben nicht nur ihre Beteiligung an der Frisia AG verstärkt sondern sich auch mit 50 Prozent an einer neu gegründeten Gesellschaft beteiligt, die den Bau und den Betrieb einer Pipeline zum Gegenstand hat. Dazu kommt eine ebenfalls hälftige Beteiligung an einer neuen Raffinerie in Klarenthal/Saar, mit deren Bau Mitte 1966 begonnen wurde.

Es wäre gewiß verfrüht, schon jetzt von einer Schwerpunktverlagerung des Unternehmens zu sprechen, das nach wie vor sowohl mit seiner Substanz als auch mit seinen Menschen in der Kohle verankert ist. Wenn trotzdem im vorigen Jahr fast die Hälfte der bescheidener gewordenen Investitionen für Beteiligungen in den neuen Sparten verwendet worden ist, so zeigt das, daß auch die Saarbergwerke AG, deren Grundkapital zu 74 Prozent beim Bund und zu 26 Prozent beim Land liegt, wie die großen Vorbilder an der Ruhr von der Einbahnstraße der Kohle abzukommen versucht und neuen Ufern zustrebt, hd.