Mehr und mehr verdichtet sich das Bild vom Bienenstaat als dem Musterbeispiel eines bis in kleinste Einzelheiten durchrationalisierten Betriebes. Wenn zum Beispiel an einem warmen Sommertag Zehntausende von Nektarsammlerinnen ein kleineres Kleefeld besuchen, könnte doch viel Bienenfleiß allein dadurch vergeudet werden, daß bereits leergesaugte Blüten immer und immer wieder von neuen Bienen durchkämmt werden. Das ist aber nicht der Fall. Wie jetzt der Argentinier Dr. J. A. Nuñes an der Universität Freiburg im Breisgau herausfand, kennzeichnen Bienen jede von ihnen leergesaugte Blüte mit einem „Es-hat-keinen-Zweck-mehr-Signal“.

Für seine Experimente benutzte der Wissenschaftler Blüten aus Kunststoff oder einfach Plastikröhrchen, in die seine dressierten Bienen tief hineinkriechen mußten, um an die Zuckerlösung zu gelangen. Immer wenn der Besuch eines Tieres vergebens war, setzte es beim Herauskriechen oben an den Eingang eine Duftmarke ab. Die nächste Biene flog die Röhre dann zwar an, steckte ihren Kopf mit den Antennen aber nur kurz hinein und startete gleich wieder zu einem neuen Ziel. Bemerkenswert ist, daß sie sich von dem Duftsignal ihrer Vorgängerin auch dann abweisen ließ, wenn Dr. Nuñes das Gefäß inzwischen von unten neu mit Zuckerwasser gefüllt hatte. V. D.