Sehen Sie, das ist das Lustige an der Live-Sendung: wenn was passiert, ist es eben passiert.“ Das hatten manche Zuschauer der ersten farbigen Sendung vom Goldenen Schuß schon gemerkt, bevor Vico Torriani, Nachfolger des gefeuerten Onkel Lou, es verkündete. „Es ist schwer, wirklich sehr schwer. Wenn Sie mich fragen, meine Damen und Herren, ob ich ein bißchen Lampenfieber gehabt habe – ha-ha-ha – das war kein Lampenfieber, das war Glühlampenfieber! Sollte es Ihnen gefallen haben, sagen Sie es ihren Bekannten. Sollte es Ihnen nicht gefallen haben, Ihren Verwandten.“

Jubel, Trubel, Heiterkeit. Ein grünes Springbrünnlein aus Keramik. Assistentinnen, von denen sich für diesen Abend wohl die Coiffeur-Innung getrennt hatte.

Beifall von Heimzuschauern ist für die darstellenden Fernkünstler nicht zu vernehmen. Vom lilagetönten Publikum im Zuschauerraum kam er spärlich. Aber Statisten muß eben gesagt werden, wann sie zu lachen haben.

Publikum, das gewöhnlich Sendungen solcher Art nicht ansieht, aber der Farbe wegen dem Apparat gegenübersaß, konnte da ganz einfach nur lachen. Auch Zehn- bis Vierzehnjährige, die später ins Bett gehen durften, um den historischen Moment zu erleben und dermaleinst gleich Goethe melden zu können „Und ich kann sagen, ich bin dabei gewesen.“

Beim farbigen Schuß flitzten die Witze natürlich viel rascher als die Schüsse bei der Kanone von Valmy. Den Probanden der Sendung wurden immerhin Aufgaben gestellt. Auch für sie war es schwer, sehr schwer. Auf einen Sitz einen nagelneuen Stuhl zu zerkrachen, das soll erst einer vor- oder nachmachen. Jeder Stuhl, der zu Bruch ging, brachte einen Punkt ein. Es wurde also sicht- und hörbar mehr verlangt als schießen und ins Schwarzbunte treffen.

Das Gemüt kam nicht zu kurz. Des Schützenkönigs Gemahlin lag danieder – im Krankenhaus zu Wiesbaden. Ein Farbfernseher war ihr ans Bett gestellt worden. So konnte sie verfolgen, daß ihrem Ehgemahl gelang, viertausend Deutsche Mark in purem Golde vom seidenen Faden zu schießen. Das Gold und ein Farbfernsehgerät wurden sein! „Soviel Freude!“ jubelte Torriani, „jetzt sage ich Ihnen, Ihre Frau wird gesund!“

Eine dralle Bayernmaid um die Vierzig, im Dirndlkleid mit grünem Schürzchen, konkurrierte mit dem Schützenkönig. „Sind Sie verheiratet? Nein? Warum haben Sie nicht geheiratet?“ Man erfuhr es nicht. Und sie gewann eine Reise nach den Kanarischen Inseln. „Für eine, hören Sie? Für eine Person.“