Von Nina Grunenberg

Ehrerbietung ist die natürlichste Haltung, um sich jenem Prunkstück deutscher Wissenschaftspflege zu nähern, das unter dem Protektorat und dem Namen Kaiser Wilhelms II. gegründet wurde, zwei Weltkriege überdauerte, nach dem letzten den alten Namen verlor und als „Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e. V.“ seinen Weltruf behielt. Er war gestützt auf die physikalische Chemie eines Fritz Haber, die Radiochemie eines Otto Hahn, die theoretische Physik eines Albert Einstein, die Biochemie eines Otto Warburg oder die Biophysik eines Boris Rajewsky: Sie haben ihre Entdeckungen in den Instituten der alten Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft gemacht.

Innerhalb der deutschen Gelehrtenrepublik wird die Gesellschaft auf Grund ihrer Tradition, ihres Stils und ihres wissenschaftlichen Renommees als crème de la crème angesehen – ein Tribut, der sich so sehr von selbst versteht, daß er für Universitätsprofessoren, die gern dazu gehört hätten, aber nicht berufen wurden, schon wieder seine schmerzlichen Seiten hat. Wissenschaftliches Mitglied in einem Institut der Max-Planck-Gesellschaft zu sein – das ist eine Auszeichnung, verbunden mit einer unvergleichlichen Chance: Der Wissenschaftler kann sich – frei von den Verpflichtungen der Lehre und ausgestattet mit einem Instrumentarium, das ihm eine Universität so schnell nicht bieten kann – ganz seiner Forschung widmen. Den Niederungen des Universitätsbetriebes entrückt, scheint ihn die Aura von Humboldtscher „Einsamkeit und Freiheit“ nun erst wahrhaft zu umgeben.

In einer internen Diskussion über die Public-Relations-Arbeit der einzelnen Wissenschaftsorganisationen hieß es einmal: „Solange die Max-Planck-Gesellschaft alle paar Jahre einen Nobelpreisträger vorzeigen kann und sich den Nimbus eines Oberhauses erhält, solange darf sie vornehm sein und sich in der Öffentlichkeit zurückhalten.“ Es scheint jedoch, als sei ihr Image etwas allzu einseitig durch ihren grandseigneuralen Stil geprägt, der ein verstörtes Gemüt sogar zu der Behauptung verleitete, Präsident Adolf Butenandt lege seine Amtskette schon vor dem Frühstück um: Der vermeintliche Zwang, letzten Worten lauschen zu müssen, die aus Max-Planck-Höhen herniederkommen, löst in Universitätskreisen noch immer leicht Aggressionen aus.

Lediglich akademischen Wert hat da der Hinweis, die alte Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft sei nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung der Universitäten gegründet worden, und zwar – das kann mit einer gewissen reservatio mentalis behauptet werden – als Vermächtnis von Wilhelm von Humboldt. In seiner Denkschrift über die höheren Lehranstalten hat er nebenbei Hilfseinrichtungen der Universitäten erwähnt, „leblose Institute“, in denen die Professoren ungestört forschen sollten und die er als integrierenden Bestandteil innerhalb der wissenschaftlichen Gesamtanstalt bezeichnete.

Damals lagen ihm als Hilfsinstitute jedoch nur der Botanische Garten, die Sternwarte und die Königliche Bibliothek im Sinn. Erst zu Beginn dieses Jahrhunderts wurde die Idee wieder aufgegriffen und von dem großen liberalen Theologen Adolf von Harnack in einer Denkschrift dem König unterbreitet.