Von Josef Müller-Marein

Daß es sich bei der Auseinandersetzung mit Axel Springer keineswegs um spätsommerliche Querelen, um presse-interne Krakeelerei zwischen seinem Verlagshaus und der ZEIT handelte – wie flüchtige Beobachter der Szene zunächst meinten – wird durch folgenden Sachverhalt deutlich: Professor Holzamer der Intendant des Zweiten Deutschen Fernsehens, hat seinen Rücktritt aus der "Lücke-Kommission" angeboten.

Diese von der Bundesregierung eingesetzte, vom Innenminister betreute Kommission soll im wesentlichen die Gefährdung der Presse, die Ursachen des "Zeitungssterbens" (Ende 1954 gab es 255 eigenständige Blätter, Ende 1966 noch 172), die Gründe der Konzentration und deren Folgen für die Meinungsfreiheit untersuchen. Wohl möglich, daß die Beratung Vorschläge erbringt, die den Bundestag ernsthafter beschäftigen mögen als bisher und also zu vernünftigen Gesetzen führen.

Der Konzernherr Springer läßt sich in diesem Gremium durch seinen Chefjustitiar Arning vertreten. denselben Mann, der jene internen Schnüffeleien gegen das Zweite Fernsehen dirigierte, durch die, als sie bekannt wurden, die Politik des Springerschen Verlagshauses zunächst ins Zwielicht und dann durch Springers Antwort an die ZEIT in Mißkredit geriet. Ein Effekt, den Springer freilich nicht beabsichtigt hatte: Er hielt an der Behauptung fest, es sei nur journalistisch beim ZDF recherchiert worden – also im öffentlichen Interesse und geradezu tugendhaft – während sich mittlerweile unbezweifelbar herausstellte, daß Arnings Aktion nichts als ein Kampfmittel zur Eroberung eines noch in den Wolken schwebenden "Verleger-Fernsehens" war, an dem Springer als der Stärkste unter seinen Partnern den stärksten Anteil haben müßte – ein ausschließlich zum Wohle der Interessierten bestimmtes Kampfmittel, zweifelhaft, ja, unmoralisch auf jeden Fall. Obwohl Arnings Aktion nicht die erwünschte Wirkung hatte – denn offensichtlich war es dem Mainzer Intendanten sehr wohl um äußerste Korrektheit zu tun – fand es Holzamer zu Recht unzumutbar, mit Arning weiterhin an einem Tisch in der "Lücke-Kommission" zu sitzen. So bat er den Verleger Springer, seinen Mann zurückzuziehen. Wie leicht pflegt ja bei derlei Kontroversen, zumal wenn es sich um Fehden innerhalb des Bereichs der Presse oder der "Massenkommunikationsmittel" handelt, wie das Fernsehen eines ist, in der Öffentlichkeit der resignierte Ausspruch umzugehen: "Pack schlägt sich, Pack verträgt sich!"

Springer jedoch lehnte Holzamers Forderung ab. Er, dem die Kommission ohnehin nicht in den Sinn paßt, hält an seinem Arning fest.

Ein Intermezzo "hinter Kulissen"? Ja, aber eines, das keinen politisch interessierten Menschen gleichgültig lassen kann. Das Kerzenlicht, das hier angezündet wird, wird große Schatten werfen.

Denn es ist schließlich eine Kommission der Bundesregierung. Läßt sie Holzamer gehen und duldet sie Arning, so beugt sie sich der Macht.