Hamburg

Onein – in Deutschland, da baut man nicht so ohne weiteres auf den Zufall. Das kann teuer zu stehen kommen. Und tut es das nicht, so ist es eben fast ehrenrührig. Ehre ist solide, in Deutschland. In reiner Redlichkeit, befreit von Abenteuergeruch will sie erworben werden, nicht erobert.

Das Hamburger Ehepaar Koch hatte sich insgesamt elf Jahre darangemacht, dies zu tun. Vor eben elf Jahren plante es, die Welt zu umsegeln; acht Jahre davon galten der Vorbereitung. Die beiden sparten, ließen sich nicht, wie Sir Francis Chichester, in der Wahl von Wolle durch ein Wollsekretariat beirren, sie lebten in Bescheidenheit, genauso, wie man als „kleines Rad“ im großen Räderwerk lebt – namenlos.

Doch schon bald begannen sie, zu Hause auszubrechen. Sie aßen nicht mehr, wie man immer ißt; sie aßen so, wie man auf stürmischer See, weit entfernt von menschlichen Gestaden und Lebensmittelläden, und unter fremdem Himmel ißt. Sie übten. Und dann studierten sie die Karten und rechneten die Pfunde in Gramme um und die Liter aus und den Platz, den alles braucht.

Und dann gaben sie – und überall war es zu lesen – ihre Sicherheit auf, verkauften ihre Möbel, ihre Wohnung. Herr Koch kündigte seine sichere Stelle im Ex- und Importgeschäft. Ein Stöhnen muß da alle, die davon hörten oder lasen, ergriffen haben, als seien sie Zeugen einer mittelalterlichen Gotteslästerung geworden: Denn hier war der wahre Bruch mit der Zivilisation vollzogen worden.

Und dann legte das segelnde Paar ab, in aller Stille die Welt zu umsegeln. Es fuhr von Meer zu Meer, von Ankerplatz zu Ankerplatz, drei Jahre lang. Die zwei machten alles genauso, wie sie es geplant hatten. Sie fuhren durch den Panama-Kanal und nicht um Kap Hoorn, denn man weiß ja, daß man dazu braucht, was sie nicht herausfordern wollten: Glück; das wäre nicht mutig gewesen, sondern waghalsig. Unsportlich.

Nun ja, die Kochs wollten auch nicht nur segeln, sondern sie wollten – und da fühlen sie sich einig mit Sir Francis – etwas beweisen. Der Engländer wollte seinen Mann stehen, mit oder ohne Verkaufstalent, wollte ein Kerl sein und spürte wohl altenglischen Eroberungsgeist. Die Eheleute Koch hingegen empfanden teils metaphysischer, teils nüchterner altdeutscher Tradition gemäß: Sie wollten sich aus der Masse emporheben, sich vom Zahnradgefühl befreien, und sie wollten dafür eine Leistung vollbringen, eine sorgfältig kalkulierte und organisierte Rechenanstrengung. Es versteht sich, daß bei so ernstem Tun wenig Platz fürs Abenteuer bleiben durfte. Allgewaltig bleiben die Naturmächte – die Kochs wollten sie auch nicht besiegen, sondern durch Planungskünste überzeugen,