Die Preisbindung steht dem Leistungswettbewerb im Wege; deshalb gerät sie immer stärker unter Druck

Die Interessen des Handels wollte die deutsche Fernsehgeräteindustrie wahren, als sie ihre Farbempfänger beim Bundeskartellamt zur Preisbindung anmeldete. Nur eine ausreichende und garantierte Spanne werde, so argumentierte sie, den Handel zum bereitwilligen Partner beim Sprung in das bunte Neuland machen. Im Kartellamt registrierte man stolze Preise und stolze Spannen.

Aber es war ein Händler, der einen Strich durch die Rechnung machte. Josef Neckermann, Selbstversorger mit Farbfernsehgeräten und deshalb von der Industrie unabhängig, unterlief alle Preisvorstellungen. Er zwang die Industrie zu einer Revision ihrer gebundenen Preise und seine Konkurrenten zu vergleichbaren Angeboten. Ein Hersteller scherte sogar aus der Front der Preisbinder aus.

Dabei hätten sie es so einfach haben können, die Versender und die Warenhäuser. Ein wenig billiger als die Konkurrenz – und ein ruhiges Geschäft mit hohen Spannen wäre sicher gewesen. Aber nein, da setzt einer von ihnen aufs Ganze und will mit einem sensationellen Angebot durch hohen Umsatz ausgleichen, was er an Spanne einbüßt.

In der Tat hat die Industrie den Frankfurter Versender geradezu eingeladen, den Hecht im Karpfenteich zu spielen. Wer hohe Preise bindet, der bietet doch einem Außenseiter ein beinahe sicheres Geschäft an. Denn die Spannen, die auch den Fußkranken unter den Händlern ein Mitmarschieren ermöglichen, braucht der rationelle Handelsbetrieb nicht. Wenn dazu noch die Konkurrenz in den Ketten der Preisbindung hängt, hat der Außenseiter leichtes Spiel.

Der gebundene Preis beflügelt die Phantasie derjenigen Händler, die im Wettbewerb die willkommene Chance und nicht die ungeliebte Last sehen. Demjenigen, der die Klippen der Preisbindung legal – oder auch etwas außerhalb der Legalität – umschiffen kann, winkt ein goldenes Geschäft. Aber das erst, seit der Verbraucher mündig geworden ist.

Stärker als in früheren Jahren geht dem Kauf von langlebigen Gebrauchsgütern die Information über Qualität und Preise des Angebots voraus. Die Warentests sind dabei ein ebenso wertvoller Einkaufshelfer wie Kataloge der Versandhäuser und die Anzeigen der großen Handelsunternehmen. Es ist geradezu ein Sport geworden, die günstigsten Einkaufsquellen aufzuspüren.