Unfrieden bestimmte schon am Vorabend die Szene der arabischen Gipfelkonferenz in der sudanesischen Hauptstadt Khartum. Es ist das zweite Treffen der Staatschefs seit 1965. Nachdem bekannt geworden war, daß außer den Königen von Marokko und Libyen, Hassan und Idriss Senoussi, sowie Tunesiens Oberhaupt Burgiba auch die Präsidenten von Algerien und Syrien, Boumedienne und Atassi, ihr Erscheinen abgesagt hatten, kam es wegen des ägyptischen Staatschefs Nasser zum Streit.

Nasser sollte, nachdem er auf dem Flugplatz von Khartum gelandet war, auf den wenige Minuten später eintreffenden König Feisal von Saudi-Arabien warten und mit ihm zusammen in die Stadt fahren. Doch er lehnte die Bitte der sudanesischen Protokollbeamten wütend als eine Zumutung ab. Auf seiner Fahrt durch die Straßen der Stadt wurde der Ägypter jedoch. wie ein Held gefeiert.

Unstimmigkeit herrscht indessen auch über die Ziele der arabischen Mini-Konferenz. Schon die Außenminister, die an den Tagen zuvor das Programm für die Debatte der Regenten festlegen sollten, konnten sich über die wichtigsten Punkte nicht einigen:

  • ob gegen Israels „Kriegshelfer“, die USA, Großbritannien und die Bundesreppublik der Öl-Boykott länger aufrechterhalten werden soll, und
  • ob auch über eine Lösung des zwischen Saudi-Arabien und Ägypten seit nahezu viereinhalb Jahren andauernden Jemen-Konflikts verhandelt werden soll.

Gegen eine rigorose Öl-Sperre, die vor allem von Syrien und vom Irak gefordert wird, haben bereits die ölträchtigen Staaten Kuwait, Saudi-Arabien und Libyen Front gemacht. Sie könnten, so erklärten sie, den vom Nahost-Krieg am stärksten betroffenen Ländern nicht helfen, wenn sie auf ihre Millionen-Einnahmen länger verzichten müßten.

Widerstand gegen eine Einigung über die Beendigung des Bürgerkrieges im Jemen meldete in harter Form die republikanische Regierung unter Marschall Sallal an. Er drohte die Konferenz zu verlassen, wenn dieser Punkt auf die Tagesordnung gesetzt werden sollte.

Das von Kairo über Wasser gehaltene Sallal-Regime – noch kämpfen im Jemen 40 000 ägyptische Soldaten gegen die von Saudi-Arabien mit Waffen und Geld unterstützten royalistischen Bergstämme – weigerte sich, den von dem sudanesischen Ministerpräsidenten Mahgub zwischen Nasser und Feisal ausgehandelten Friedensplan zu akzeptieren. Mahgubs Vermittlungsvorschlag sieht