Sehr sehenswert:

„Tätowierung“ von Johannes Schaaf nach einem Drehbuch von Günter Herburger. Ein Film für Leute, die nach dem Kino gerne Filme interpretieren und dazu handfeste und verläßliche Krücken benötigen: Günter Herburger liefert sie, Johannes Schaaf hat sie in Warnfarben angemalt. Aber auch ein junger deutscher Film, der in Berlin spielt und die Geschichte eines Fürsorge – Zöglings erzählt, der es eines Tages satt hat, erzogen zu werden, und deshalb zur Pistole greift. Die Mauer kommt übrigens auch vor, aber mehr zum Spaß: Der Junge und seine Freunde haben einen Trick raus, wie man aus sicherer Entfernung östliche Sprengkörper hochgehen lassen kann.

Nächste Woche im Fernsehen:

„Es war einmal ein Krieg“, von Palle Kjaerulff Schmidt. Erinnerungen an eine skandinavische Jugend im Zweiten Weltkrieg: Kopenhagen um 1943. Ein Junge sieht Besatzungssoldaten und Juden, hört von Verhaftungen, träumt von Widerstand und erlebt seine erste Liebe. Nicht die Handelnden zeigt der Film, sondern die Zaungäste, er zeigt das heimliche Komplizentum der Neutralen, der Passiven, der willigen Opfer. Sie erleben Krieg, Faschismus und Widerstand als Nervenkitzel, als unheimliches Gerücht, als Katharsis. (II. Programm, 4. September, 21 Uhr.)

„Das Rabenviertel“, von Bo Widerberg. Erinnerungen an eine skandinavische Jugend vor dem Zweiten Weltkrieg: Malmö um 1936. Eine gesellschaftlich auf proletarisches Niveau herabgekommene Kleinbürgerfamilie – der Vater trinkt und die Mutter wäscht, der Sohn aber hat literarische Ambitionen, scheitert, bricht schließlich doch aus. Das historische Geschehen (Olympiade in Berlin), von dem das Radio berichtet, ist nur Geräuschkulisse. Aber der „gewöhnliche Faschismus“ grassiert auch in den Slums von Malmö, und die Parteinahme des Jungen gegen sein Milieu bedeutet zugleich die für den Weg des demokratischen Sozialismus. Naturalismus ist dem Film nicht Weltanschauung, sondern Methode. (I. Programm, 5. September, 21 Uhr.)

Sehenswert:

„Persona“, von Ingmar Bergman. Zu sehen und zu hören wie eine Gebrauchsanweisung für das frühere Oeuvre des schwedischen Regisseurs, ein Film also vor allem für Bergman-Fans. Die Geschichte einer psychiatrischen Nachbehandlung in einem einsam gelegenen Bungalow am Meer: zwei Frauen, die sich und dem Zuschauer ihre verborgene Identität entdecken; ein Seelen-Vexierspiel des passionierten Amateurpsychologen Bergman.