Immer noch sind die Rolltreppen überfüllt und die Eingänge verstopft; immer noch zieht das Expo-Schauspiel von Montreal täglich Unzählige an – währenddessen visieren die großen Planer schon das nächste Expo-Ziel an: Osaka 1970.

Die Bundesregierung hat schon die Einladung der japanischen Regierung zudieser Weltausstellung, der ersten auf asisatischem Boden übrigens, angenommen. Und nicht nur dies: Im Auftrage des Bundeswirtschaftsministers hat eine „Arbeitsgemeinschaft IWAG – NOVEA“ in Düsseldorf schon einen Ideenwettbewerb ausgeschrieben, der „breiteste Kreise unseres Volkes“ ansprechen soll.

Die Unterlagen zu diesem Wettbewerb informieren die interessierten breiten Kreise freilich nur ungenau. Genau erfahren sie nur dreierlei: die täglichen Öffnungszeiten der 1970 stattfindenden und sechs Monate dauernden Ausstellung: 10 bis 22 Uhr; den Einsendeschluß der Ideen: der 30. November 1967; die Höhe der ausgesetzten Preise: 20 000, 12 000 und 8000 Mark.

Es wird ja keiner die Wichtigkeit dieser Nachrichten bezweifeln, nur scheint es, daß für einen Wettbewerb der Ideen auch andere Fragen ein Recht auf gleiche Präzision haben. Vage und mißverständlich aber sind die meisten Angaben, von der falschen Übersetzung des Expo-Themas von 1970, wo aus dem englischen „progress and harmony of mankind“ das deutsche „Fortschritt und Harmonie für die Menschheit“ wurde, bis zur Unklarheit der Wettbewerbsaufgabe überhaupt. Nur mühsam wird deutlich, daß es sich bei diesem Wettbewerb nicht um die Architektur des deutschen Expo-Beitrages handelt, sondern um Ideen für die Gestaltung des – in seiner Größe und Gestalt unbekannten – Innenraums. Und die Bundesrepublik will sich – um zu sparen – das nächstemal auf nur zwei Bereiche konzentrieren: den technisch-industriellen und den kulturellen – wobei füglich zu bezweifeln ist, ob eine so wenig detaillierte Abgrenzung tatsächlich eine Einschränkung verbürgt.

Bevor sich der so informierte Wettbewerbsteilnehmer nun an die Aufgabe macht, erfährt er noch etwas Erstaunliches: Die Themen sollen die japanische Öffentlichkeit stark interessieren und so originell und wirkungsvoll aufgemacht sein, daß der strapazierte Expo-Besucher von 1970 sie dennoch wahrnimmt. Als verstünde sich das nicht von selbst!

Unklar bleibt auch, wie es mit der Beteiligung „breitester Kreise“ bestellt ist, unter denen ja wohl nicht hauptberuflich mit Lineal und Zirkel arbeitende Menschen zu verstehen sind. Zum einen ist die Frist von vier Monaten ziemlich kurz, zum anderen soll der ideenreiche Laie aber auch fähig sein, Projektionen, Modelle und Skizzen anzufertigen, denn schriftlich formulierte Anregungen allein genügen nicht.

Die japanische Ausstellungsleitung wünscht, so heißt es, daß die Ausstellung „in der Geschichte der menschlichen Zivilisation einen Markstein hinterlassen soll“; sie „würde es sich zur Ehre anrechnen, wenn die Weltausstellung in Japan der Wendepunkt zu einem Goldenen Zeitalter würde“. Sollte man auf derlei „Marksteine“ und ein „Goldenes Zeitalter“ nicht etwas mehr Sorgfalt verwenden? Christine Brmck