Frankfurt am Main

Mit den Affen kam der Tod – ein grausamer Tod. Die Ärzte schildern ihn so: Es beginnt mit Kopfschmerzen und Fieber, es folgen Tage der Besserung. Trügerische Hoffnung, denn sie leiten ein qualvolles Ende ein. Bei vollem Bewußtsein, von schweren Angstzuständen gewürgt. Das alles wissen die Ärzte. Nur was sie auf den Totenschein schreiben sollen, die Todesursache, das wissen sie nicht.

Sie wissen nur: Das geheimnisvolle Sterben begann, als beim Frankfurter Paul-Ehrlich-Institut und bei den Behring-Werken in Marburg für Laborversuche 90 grüne Meerkatzen aus Uganda eingetroffen waren. „Ob die Tiere vom Importeur untersucht worden sind, konnte nicht geklärt werden“, sagen die Regierungsveterinäre.

Die ersten Opfer waren eine 65 Jahre alte Laborgehilfin und ein 42jähriger Tierpfleger. Beide arbeiteten im Paul-Ehrlich-Institut mit Affen. „Sie haben sich dabei infiziert“, stellten die Ärzte fest. Aber wie? „Sie müssen mit dem Blut dieser Affen in Berührung gekommen und es muß in ihre eigene Blutbahn eingedrungen sein“, vermuten die Experten.

Aber wie ist so etwas möglich? Bei solchen Arbeiten – mit Hilfe von Affennierenkulturen werden in Frankfurt Impfstoffe gegen Kinderlähmung getestet – müßte doch eines für das Laborpersonal ganz obenan stehen: Sicherheit. Der Leiter des Paul-Ehrlich-Instituts bestätigt das: „Bei der Entfernung der Nieren müssen nach den allgemeinen Sicherheitsvorschriften Handschuhe und Mundschutz getragen werden.“

Wenn das so ist, wie konnte es zur tödlichen Infektion kommen? Dies geschah nicht nur in Frankfurt. Die Nachrichten aus dem Paul-Ehrlich-Institut waren noch keine 24 Stunden alt, da kamen die Unglücksmeldungen aus den Marburger Behring-Werken: Ein 27jähriger Laborant und ein 38 Jahre alter Tierpfleger starben. Auch sie waren mit den Affen aus Uganda in Berührung gekommen.

Fragen über Fragen. Und die Antworten? „Zwei Menschen starben an Gelbfieber“, so stand es über den ersten Zeitungsberichten. Das hatte man sich in den Redaktionen nicht so ausgedacht; das vermuteten Ärzte. Einen Tag später jedoch lauteten die Überschriften: „Ist es Gelbfieber?“ – „Zweifel an Gelbfieber-Diagnose.“