Schwer trägt Israel, das kleine, tapfere Land, an seinem Sieg. Nun gerät es sogar in den schlimmen Verdacht, über seinen verdienten militärischen Triumph zu vergessen, was seine Bürger und seine Propheten allen Bedrängnissen zum Trotz stets auszeichnete: Menschlichkeit.

Denn der Milde spricht es Hohn, wie Israel die Frage der Palästina-Flüchtlinge auf seine Weise zu lösen gedenkt – auf eine unduldsame Weise. Das Kabinett Eschkol weigerte sich, die Frist für die Rückkehr der geflohenen Jordanier in ihre Heimat über den 31. August hinaus zu verlängern. Nur noch rund 15 000 von ihnen sollen aufgenommen werden. Fast 100 000 Repatriierungswillige aber müssen weiter in den überierungswillige aber müssen weiter in den überfüllten Lagern Ostjordaniens bleiben. Sie werden, so befürchtet Jeremy Thorpe, der Parteiführer der britischen Liberalen, nach einer Inspektionsreise durch Husseins Wüstenreich, „wie die Fliegen sterben“.

Nun mögen die Israelis gute Gründe für ihre Unnachsichtigkeit haben: Arabische Propagandisten wiegelten die Rückkehrer zum Haß gegen die Besatzungsmacht auf; die jordanischen Behörden sorgten nicht für einen schnellen Transport; ein wochenlanger Streit um Formalien verzögerte den rechtzeitigen Beginn der Aktion.

Das alles vermag aber nicht den harten Entschluß der Jerusalemer Regierung verständlich zu machen. Sie läuft Gefahr, den hohen Kredit zu verspielen, den ihr ausländische Bewunderer und Freunde einräumen. Und ihr Ziel, die arabischen Feinde, wenn nicht zu Freunden, so doch zu friedlichen Nachbarn zu machen, rückt in unabsehbare Ferne. D. St.