Der heilige Krieg der Araber rettete die israelische Wirtschaft vor Stagnation und Krise. Der Krieg kostete die Israelis etwa 300 Millionen Dollar. Sie gewannen dafür das Dreifache ihres ursprünglichen Territoriums, die Herrschaft über rund 1,3 Millionen Araber, noch kaum schätzbare Belastungen – aber auch neuen Kredit in aller Welt.

Vor Beginn des Krieges hatte Israel 10 Prozent Arbeitslose. Der Export stockte und deckte die Importausgaben nicht mehr. Das Vertrauen der Bevölkerung in die wirtschaftliche Zukunft des Landes schwand. Immer mehr Israelis verließen aus wirtschaftlichen Gründen das Land. Die Zahl der Einwanderer wurde von Jahr zu Jahr geringer.

Seit Kriegsende konzentriert sich die Regierung darauf, den militärischen Sieg nicht mit einer wirtschaftlichen Niederlage zu bezahlen. Die Regierung plant ihre Wirtschaftspolitik unter der Annahme, daß die eroberten Gebiete auf Jahre hinaus unter israelischer Hoheit stehen werden. Die neuen Aufgaben, der Wiederaufbau in Israel und in den arabischen Gebieten, sichern einen wirtschaftlichen Aufschwung. Voraussetzung ist, daß die nötigen Finanzierungsmittel bereitgestellt werden können.

Um die Staatseinnahmen zu erhöhen, wurde eine zehnprozentige Erhöhung der Einkommensteuer (Sicherheitssteuer) beschlossen und die Benzinsteuer heraufgesetzt. Eine nationale Anleihe brachte 83 Millionen Dollar ein, eine internationale Anleihe weitere 500 Millionen Dollar. Eine Sammelaktion unter den im Ausland lebenden Juden brachte innerhalb von zehn Tagen knapp 300 Millionen Dollar ein.

Die privaten ausländischen Investitionen, hauptsächlich von amerikanischen und europäischen Juden, nehmen zu, und europäische Banken gewähren ihren israelischen Partnern hohe Kredite.

Die eroberten Gebiete sind für die Israelis militärisch ein großer Gewinn, wirtschaftlich aber eine Belastung. Verdienen können die Israelis vorerst nur an den Ölquellen auf der Halbinsel Sinai. Die Ernährung und später die Erhöhung des Lebensstandards der 330 000 Palästinaflüchtlinge im Gaza-Streifen und der Million verarmter Jordanier im Westufer-Distrikt verschlang im Juli drei Millionen Mark. In den kommenden Monaten wird mit einem Mehrfachen dieses Betrages gerechnet. Israel will auch den ehemaligen jordanischen Entwicklungsplan übernehmen, der für Straßen- und Schulbau sowie andere öffentliche Arbeiten Ausgaben von 5,6 Millionen Dollar vorsah. Aufs Jahr gerechnet werden die Ausgaben für Ernährung, soziale Maßnahmen und Infrastrukturinvestitionen auf 250 Millionen Mark geschätzt.

Das Wirtschaftsleben in den besetzten Gebieten hat sich nach Einführung des israelischen Pfundes als gesetzliches Zahlungsmittel normalisiert. Zweigstellen israelischer Banken wurden errichtet; Geschäfte und Hotels eröffnet. Die langfristigen Pläne der Israelis für die eroberten Distrikte konzentrieren sich auf die Umstellung und Erhöhung der landwirtschaftlichen Produktion sowie den Ausbau touristischer Zentren. Dabei geht es den Israelis vor allen Dingen um Zusammenarbeit mit den ansässigen Arabern. Sie werden sich in den besetzten Gebieten nur dann für längere Zeit halten können, wenn es gelingt, den Einheimischen bessere Lebensbedingungen zu sichern. rod.