Fragen der Moral und des persönlichen Verhaltens stehen für Parlamentarier wie für Dramatiker im Vordergrund

Von Christopher Driver

Die englische Gesellschaft hat sich innerhalb des letzten Jahrzehnts stärker verändert, als man es in einem Lande für möglich halten möchte, dessen ökonomische Situation so wenig Spielraum für Experimente und Neuerungen zu lassen scheint.

Wenn man freilich fragt, was sich denn nun im einzelnen geändert hat und warum, dann würde jeder Engländer darauf eine andere Antwort wissen.

Ist beispielsweise das Dahinschwinden des Weltreiches oder das Aufkommen der Teenager als einer wichtigen Konsumentengruppe dafür verantwortlich zu machen, daß die Engländer offenbar Admiral Nelsons Aufforderung zur Pflichterfüllung gänzlich vergessen haben und nur noch mit sich selbst beschäftigt, ja geradezu vergnügungssüchtig geworden sind?

Von der Vergnügungssucht ließe sich leicht überleiten zu Marihuana und Miniröcken, von denen in diesem Jahr die englische Presse wie besessen schien. Mir geht es um Wichtigeres, Grundsätzlicheres: wie es sich in Büchern, Filmen oder Theaterstücken ausdrücken kann.

Vor zwölf Jahren, zum Beispiel, stellte John Osborne mit seinem Stück „Blick zurück im Zorn“ aufregend genau das dar, was intelligente junge Engländer in den fünfziger Jahren von den verschlissenen Formen und Erwartungen hielten, die sie aus Großbritanniens imperialistischer Vergangenheit geerbt hatten. „Von den guten wackren alten Fragen der Nation ist keine mehr übrig geblieben.“