Trotz des Krieges in Vietnam, trotz der Spannungen im Nahen Osten haben sich die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion in der Genfer Abrüstungskonferenz auf eine gemeinsame Politik geeinigt: Ihre Delegationen legten – freilich jede für sich – einen gemeinsam erarbeiteten Entwurf für einen Atomsperrvertrag vor. Beide wollen die Weitergabe von Kernwaffen und Atomsprengsätzen an Drittländern verbieten, versprechen jedoch, daß die friedliche Nutzung und Erforschung der Kernenergie nicht behindert werden soll.

In dem Vertragswerk klafft noch eine große Lücke: der wichtigste Artikel, der über die internationale Kontrolle, wurde offengelassen. Darüber wollen die Delegationen in Geheimverhandlungen in den nächsten Monaten noch verhandeln.

Folglich wurde der sowjetisch-amerikanische Entwurf nirgendwo mit reiner Freude, vielmehr mit erheblichen Vorbehalten zur Kenntnis genommen. Die Bundesrepublik Deutschland möchte vor einer Zustimmung auch noch Fragen nach der Revisionsklausel und der Geltungsdauer beantwortet haben. Ebenso wie Bonn sieht auch Italien Gefahren für das europäische Einigungswerk, da die Sowjets bisher auf einer Kontrolle durch die internationale – Atomenergiebehörde in Wien bestehen und die Kontrolle durch die Euratom nicht anerkennen wollen. Brasilien äußerte Bedenken, weil Atomsprengungen zu friedlichen Zwecken untersagt sein sollen. De Gaulle ließ erklären, der Genfer Entwurf solle lediglich das Monopol der Supermächte sichern.