In den Rotary-Klub vornehmer Automobile wurde dieser Tage ein neues Mitglied aufgenommen: der NSU „Ro 80“. Lange Zeit schon als „Erlkönig“ auf den Straßen, noch länger in den Börsenkursen unterwegs, trat er jetzt mit Distinktion unter die Mercedes 250, BMW 2000, Citroën DS 21, Lancia Slavia, Rover Mk III, die „mit satter technischer Würde“ mehr oder weniger knapp unter der Straßen-Schallmauer von 200 km/h operieren.

Bei solchen Kraftakten, die heute nur über größere Distanzen und außerhalb der Ferienzeit möglich sind, ist „der große NSU“ unbestritten sehr leise in diesem gewiß nicht lauten Klub. Er gleicht dem Falken, dessen. Schwingen man nur beim Start rauschen hört und der dann am Himmel lautlos seine Kreise zieht. Das liegt einerseits an der Eigenart des Wankelmotors, der leiser läuft als selbst vielzylindrige Motoren konventioneller Bauart und immer ruhiger wird, je höher er dreht. Bei 5500 U/min bringt er die enorme Kraft seiner 115 Pferde mit etwa 180 km/h gespenstisch leise auf den Boden.

Die Fahrgeräusche wurden auch durch die Karosseriegestaltung auf ein Minimum reduziert, sie wurde seit vier Jahren im Windkanal der TH Stuttgart aerodynamisch herausmodelliert. Die flache Bauhöhe des Wankelmotors ermöglichte dabei eine für Serienautomobile beispiellos tiefgezogene, schnittige Bugform, während das etwas füllige Heck ungewohnt hochgezogen wurde,

978 Wollfäden, im großen Windkanal der Stuttgarter TH mit 200 km/h angeblasen, haben uns bewiesen, daß hier die Haut eines in die Zukunft weisenden Automobils funktionell richtig gestaltet wurde. Ein Luftwiderstandsbeiwert von 0,355 ist noch bei keiner fünfsitzigen Limousine der Welt gemessen worden.

Seine Konstrukteure rühmen ihm dazu ein ungewöhnlich stabiles Verhalten bei Seitenwind nach, eine glaubhafte Versicherung nach dem optischen Eindruck unter Berücksichtigung der günstigen Schwerpunktlage und des Frontantriebs. Auf meiner ersten Probefahrt bei Windstille konnte ich das nicht nachprüfen.

Was trotz des Fachleuten bekannten hohen Niveaus der Neckarsulmer Fahrwerkbauer, die schon ihrem „Prinzen“ eine hervorragende Straßenlage und Kurvenstabilität mitzugeben verstanden, überraschte, waren die Fahreigenschaften dieses Wagens auf dem im schlechten Zustand befindlichen, kurvenreichen Geläuf, das Stuttgarts Lustschloß Solitude in barocken Schnörkeln umrundet und nicht mit der aalglatten Solitude-Rennstrecke verwechselt werden darf.

Homokinetische Gelenke zur Kraftübertragung an beiden Enden der Antriebsachsen arbeiten auch bei starkem Lenkeinschlag völlig ruckfrei. Mc-Pherson-Federbeine, unten zusätzlich mit symmetrischen Dreiecklenkorn ausgestattet, sichern präzise Führung der Vorderräder bei großem Federweg (188 mm), und eine Sicherheits-Zahnstangenlenkung mit hydraulischer Lenkhilfe vermittelt dem Fahrer Kontakt mit der Straße, als führe er auf Schienen. Auch die Hinterräder sind einzeln an Schräglenkern geführt. Vier Scheibenbremsen im Zweikreisbremssystem mit lastabhängigem Bremskraftregler, davon die zwei vorderen von den Rädern weg an das Innere der Halbachsen verlegt, geben dem schnellen Wagen zusätzliche Sicherheit.