Im Januar 1964 veröffentlichte das amerikanische Gesundheitsamt im sogenannten „Terry Report“ den unanfechtbaren statistischen Beweis dafür, daß Zigarettenrauchen in hohem Maße die Gesundheit gefährdet. Um Jahrzehnte verkürzt starkes Rauchen die Lebenserwartung, weil das Risiko, an Bronchialkrebs, Herzinfarkt, Kreislaufversagen oder Lungenemphysem zu sterben, mit der Zahl der täglich konsumierten Zigaretten enorm ansteigt.

Dieses Fazit, das die Autoren des Reports aus ihrer kritischen Auswertung der größten medizinalstatistischen Untersuchung, die je durchgeführt worden ist, zogen, hat offenbar keinen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Zwar ergab eine kürzlich bekanntgewordene Umfrage, daß es unter den amerikanischen Ärzten heute nur noch halb so viele Raucher gibt wie zur Zeit vor der Veröffentlichung des Terry Reports; indessen nahmen die Produktionsziffern der Tabakindustrie weiterhin stetig zu. Daran änderte auch der seit zwei Jahren in den USA gesetzlich vorgeschriebene Aufdruck auf jeder Zigarettenpackung nichts, welcher besagt: „Warnung: Zigarettenrauchen kann Ihre Gesundheit gefährden.“

„Wir geben die Hoffnung nicht auf, wenigstens unsere jungen Bürger zur Vernunft bringen zu können“, erklärte William H. Stewart, der Chef des Amtes für öffentliche Gesundheitspflege, als er jetzt die neue wissenschaftliche Studie über die gesundheitlichen Gefahren des Rauchens vor der Presse erläuterte. „Vielleicht verfehlte unsere letzte Untersuchung ihre Wirkung deshalb, weil sie ausschließlich auf statistischen Ergebnissen beruhte. Viele Leute glauben auch heute noch, mit Statistik könne man jeden beliebigen Beweis führen.“ Der neue Report bringt nicht nur statistische Beweise, vielmehr sind hier die Ergebnisse von über 2000 klinischen, physiologischen, experimentellen und histologischen Forschungsarbeiten zusammengefaßt. Ihre Resultate bestätigen nicht nur den Kausalzusammenhang zwischen Tabakgenuß und Krankheit, sondern lassen auch erkennen, in welcher Weise der inhalierte Rauch krankhafte Veränderungen hervorruft.

Der Bericht beschreibt zum Beispiel die Befunde, die der Pathologie-Professor am New York Medical College, Dr. Oscar Auerbach bei der Obduktion von Hunden festgestellt hat, die über ein Jahr lang pro Tag zwölf Zigaretten geraucht hatten. Nach kurzer Zeit schon waren die Tiere, die den Qualm durch ein direkt in die Luftröhre eingeführtes Rohr inhalierten, regelrecht süchtig geworden. Sie bettelten darum, an den Schlauch mit der Zigarette angeschlossen zu werden. Fünf der zehn rauchenden Hunde starben im Verlauf des Experiments an Krankheiten der Atmungsorgane; die Überlebenden wurden nach 420 Tagen getötet.

Die Haut und die Bläschen in den Lungen dieser Hunde zeigten krankhafte Veränderungen, wie sie bei Menschen gefunden werden, die an einem Lungenemphysem gestorben sind. Außerdem war das Verhältnis von Herzgewicht zu Körpergewicht bei den Hunden, die geraucht hatten, erheblich größer als bei vergleichbaren Kontrolltieren.

Dr. Auerbach hat auch Obduktionsbefunde an den Lungen von 402 Männern mit dem Zigarettenkonsum der Verstorbenen in Beziehung gesetzt und dabei eine deutliche, wie er schreibt, „überaus beeindruckende“ Vermehrung abnormer Zellen in den Lungengeweben von Rauchern festgestellt. Je mehr Zigaretten der Tote während seines Lebens geraucht hatte, desto häufiger waren in seiner Lunge diese atypischen, morphologisch von Krebszellen nicht unterscheidbaren Zellen zu finden.

Der amerikanische Pathologe glaubt, daß bestimmte Komponenten im Zigarettenrauch die Kerne der Zellen im Bronchial-Epithelium verändern oder jedenfalls die Wirkung anderer zellkernverändernder Faktoren begünstigen.