Dem ermüdenden Streit, soll, ein für allemal ein Ende gemacht werden: Bundesjustizminister Gustav Heinemann will dem Kabinett empfehlen, die Verjährungsfrist für Mord generell aufzuheben. Für die Ahndung von NS-Gewaltverbrechen liefe – nach der 1965 vom Bundestag beschlossenen Verlängerung – die Frist sonst am 31. Dezember 1969 ab. Bis dahin aber, das ergaben sichere Schätzungen der Ludwigsburger Zentralen Erfassungsstelle, werden längst nicht alle Mordtaten aus der Zeit des Dritten Reiches aufzuklären sein. Gegenwärtig laufen allein 950 Verfahren. Die Dunkelziffer noch unbekannter Verbrechen des Völkermordes ist nach wie vor groß.

Die Bundesrepublik aber kann es sich, um der Gerechtigkeit willen und aus politischen Gründen, nicht leisten, daß nach jenem Stichtag Massenmörder oder Exzeßtäter ungeschoren davonkommen. Manche Archive, so das in Moskau, werden erst jetzt auch für westdeutsche Staatsanwälte zur Benutzung freigegeben.

Die Bogers und Kaduks müssen auch in Zukunft ihre Richter finden. Um das Recht geht es, nicht um späte Rache. D. St.