Die Besitzer deutscher Aktien und Zertifikate deutscher Investment-Fonds können aufatmen: In diesem Jahr wird die Bilanz der Aktienkurse einen Gewinn vorweisen. Aber das, meine verehrten Leser, soll uns nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Mehrzahl der deutschen Wertpapiersparer in den letzten Jahren „falsch gelegen“ hat. Vernünftiger wäre es gewesen, mit dem Auslaufen des deutschen Nachkriegsbooms den größten Teil der ersparten Gelder in US-amerikanische Aktien zu stecken. Weder die deutschen Sparer noch die deutschen Banken haben sich rechtzeitig um die Chancen gekümmert, die Wall Street in den letzten Jahren bot. So lange es uns möglich ist, Ersparnisse dort anzulegen, wo es uns paßt – diese Freiheit genießen nur wenige Völker in der Welt, nicht einmal die Amerikaner – sollten wir unsere Ersparnisse auch international placieren.

Wohlgemerkt: das ausländische Wertpapier kann immer erst am Ende der üblichen Sparformen stehen. Zunächst sollte jeder die vom Staat geförderten Sparwege (prämienbegünstigtes Sparen oder Bausparen, unter gewissen Voraussetzungen auch über eine Lebensversicherung) ausnutzen und sich dann noch einen gewissen Grundstock an Barmitteln, festverzinslichen Papieren und deutschen Aktien schaffen, eher er sein Geld ins Ausland trägt.

Eine Kompromißlösung bieten Investment-Fonds, in denen „auch“ ausländische Wertpapiere enthalten sind. Aber ihre Erfolge sind so mäßig, daß man besser von Mißerfolgen spricht. Die deutschen Fonds mit internationalem Charakter haben die ihnen gebotenen Anlagefreiheiten schlecht genutzt. Sie opferten die an den Weltbörsen vorhandenen Chancen dem Dogma einer möglichst breiten (regionalen) Risikostreuung. Mit ihrer allzu konservativen und statischen Anlagepolitik haben die deutschen Anlagegesellschaften den Boden für die Erfolge ihrer ausländischen Konkurrenz in der Bundesrepublik geebnet.

Die größten deutschen Investment-Fonds sind sogenannte „Länderfonds“, sie enthalten nur deutsche Aktien. Die Besitzer ihrer Zertifikate sind den Konjunkturschwankungen der Bundesrepublik schutzlos ausgesetzt. Das ist vom Anlagestandpunkt ein großer Unfug. So wie die Dinge liegen, muß der Besitzer deutscher Investment-Zertifikate prüfen, wie lange die jetzige Aufschwungperiode an der Börse halten und wann sie wieder durch eine Rezessionsperiode abgelöst werden wird. Wenn also die Notenbank wieder auf die Bremse treten muß, um den neuen Boom zu bremsen, wird es Zeit, sich von deutschen Zertifikaten zu trennen. Das sind die Lehren, die wir aus der siebenjährigen Baisse zu ziehen haben.

Natürlich sind Investment-Zertifikate keine Spekulationspapiere, sie zahlen sich nur bei langfristigem Besitz aus. Aber auch nur dann wennn die Anlageexperten der Fonds alle Chancen wirklich ausnutzen. Wir wollen doch nicht vergessen, daß derjenige, der beispielsweise 1960 Investa-Zertifikate erwarb, Jahr für Jahr daran (Stichtag Ende Juni 1967) 3,4 Prozent verlor Bei Concentra machte die jährliche Verlustquote sogar 4,7 Prozent und bei Fondak 4 Prozent aus, um nur einige Beispiele zu nennen.

Die Satzungen unserer deutschen Fonds müssen so umgebaut werden, daß sie auch ausländische Wertpapiere aufnehmen können. Es genügt aber nicht, die „Auslandssparte“ mit der linken Hand zu betreuen und sich beim An- und Verkauf von Auslandsaktien auf gute Ratschläge irgendwelcher Brokerfirmen oder Korrespondenzbanken zu verlassen. Wer es an Erfolgen mit den US-Fonds aufnehmen will, wird kaum umhinkommen, im Ausland Anlagemanager zu beschäftigen. Das bringt höhere Verwaltungskosten. Sie dürften durch entsprechende Erfolge mehr als aufgewogen werden.

Ein Mißstand, den die deutschen Investment-Gesellschaften allerdings nicht selbst ausräumen können, liegt im deutschen Investment-Gesetz, das vorschreibt, daß nicht mehr als 5 beziehungsweise 7 1/2 Prozent des Fondsvermögens in einem einzigen Papier angelegt sein dürfen. Mit dieser Bestimmung wollte der Gesetzgeber eine vernünftige Risikostreuung erzwingen. Vor 10 Jahren, als das Investment-Gesetz verabschiedet wurde, erschien diese Bestimmung als durchaus praktikabel. Heute paßt sie jedoch nicht mehr. Zahlreiche Unternehmensfusionen haben stattgefunden, der deutsche Kurszettel ist kürzer geworden, das wirtschaftliche Gewicht der Konzernmütter nahm immer mehr zu. Auf der anderen Seite sind auch die Fonds gewachsen und stoßen gegen die Begrenzungen. Das kann zur Folge haben, daß in Aktien investiert werden muß, die eigentlich in Fonds nichts zu suchen haben. Falls der Gesetzgeber nicht bereit sein sollte, die von ihm gezogenen Grenzen zu lockern, wird das Problem der internationalen Risikostreuung um so wichtiger.