Oft verwundet und fast vergessen – Der Versuch, wenigstens einigen von ihnen zu helfen

Während der Krieg in Vietnam täglich härter wird, die Verluste beider Steiten stetig wachsen und die Bomben ohne Unterschied Soldaten, Bauern, Frauen, Kinder und Babys töten, standen in verschiedenen Städten der Bundesrepublik Leute von „Terre des Hommes“, die an Verkaufsständen auf die Not der Kinder aufmerksam machen wollten.

Während Verzweiflung und Apathie, Haß und Angst in den großen Flüchtlingslagern Jordaniens um sich greifen, der Strom des Elends kaum zum Stillstand zu bringen ist, bemühen sich Mitarbeiter von „Terre des Hommes“ um Hilfe an Ort und Stelle. Nicht nur in Vietnam, in Nahost, sondern überall, wo und wie immer ein Kind „hilflos dem Hunger, dem Elend, der Verlassenheit oder Leiden und Schmerzen ausgeliefert ist“.

Der Schweizer Edmond Kaiser, Gründer der Organisation, gab selber ein Beispiel: Er adoptierte einen heute zehnjährigen Negerbuben, den man zur Strafe an einen Baum gehängt hatte. Dort hatte er stundenlang gehangen, Hände und Füße gefesselt, der Sonne ausgeliefert; die Hände waren ihm abgestorben und mußten amputiert werden.

Ich besuchte eine Frankfurter Familie. Dort, so hatte man mir im Krankenhaus versichert, fände ich sonntags Nu, eines der siebzehn Kinder, die nach Deutschland geflogen worden sind. Nu hat einen Knieschuß, sein Bein steht schief. In der Klinik hat er sich ein Heft angelegt, in das er deutsche Sätze schreibt. Zwei vietnamesische Studenten dolmetschen den Ärzten und kochen auch einmal Reisgerichte.

Sie fallen Bomber

Als ich mit Nus Pateneltern Kaffee trank, bastelten der junge Vietnamese und sein deutscher Spielgefährte. Während dem Deutschen nur harmlose Schwälbchen gelangen, kniffte Nu Flugzeuge: raffiniert konstruierte Papierbomber. Auch die anderen, kleinen Vietnamesen, die ich sah, knifften Bomber. Ihre Welt kennt nichts anderes; seit sie leben (und viele Jahre mehr), herrscht in ihrem Lande Krieg.