Dieser Mann wurde geboren, als Hitler die Macht ergriff. Er war gerade 18 Jahre alt, als Hitler sich umbrachte.

Dieser Mann ist groß, korpulent, seine Pausbacken lassen den Augen nur wenig Platz. Der dunkelblaue Anzug sitzt auf dem stämmigen Körper wie angegossen; Seidenkrawatte und Kavalierstüchlein dekorieren ihn wie einen Biedermann im Sonntagsstaat. Dieser Mann ist Herausgeber und Chefredakteur einer Wochenzeitung: Dr. rer. pol. Gerhard Frey. Sein Erzeugnis nennt sich „Deutsche National-Zeitung und Soldaten-Zeitung“.

Alkoholdunst und Tabakschwaden schwängern die Luft in einer Münchner Bierhalle. – Frey schwitzt und poltert: „Nicht wir sind die potentiellen Mörder von morgen, sondern sie, die Bonner Verzichtpolitiker Arndt und Gerstenmaier, der Arndts Ansichten in diesem Punkte teilt, sind die Mörder der Gegenwart, die Mörder der deutschen Nation.“ Wer ihn verfassungsfeindlicher Hetze verdächtigt, dem entgegnet Frey frank und frei: „Dieser Staat wird von uns vorbehaltlos bejaht. Wir haben nur das Wohl dieses Staates im Auge.“ Noch ist jedes Ermittlungsverfahren gegen diesen Mann in den Mitdreißigern eingestellt worden, und das Hundert ist bereits voll.

Podiumsdiskussion in der Oberhausener Stadthalle. Frey zieht vom Leder: „Sechs Millionen ermordete Juden sind eine Übertreibung. Es macht einen wesentlichen Unterschied aus, ob es sechs, fünf oder vier Millionen Juden waren. Und es ist ein Unterschied für uns, ob wir für eine oder sechs Millionen Juden zahlen.“

Dem ägyptischen Staatschef Nasser sagte Frey: „Selbstverständlich darf keine Rasse in irgendeiner Weise bevorzugt werden. Das ist ganz klar. Doch erlauben Sie mir ein drastisches Beispiel: So, Herr Präsident, wie es verschiedene Ochsen und verschiedene Kühe gibt, so gibt es eben auch verschiedene Menschen.“

Unter Schlagzeilen wie „Die Verbrechen Moshe Dayans“, „Israels Auschwitz in der Wüste“, „Die Nazis von Israel“ stand bei Frey zu lesen: „Unser Volk darf sich unter keinen Umstände noch tiefer in nationalsozialistische Verbrecher verstricken. Jede Unterstützung für Israel bringt die Gefahr mit sich, der Beihilfe von Massenmörder schuldig zu werden, als Schreibtischtäter an den dortigen Verbrechen teilzunehmen, sie zu finanzieren.“ Oder dies: „Israelis, Araber, Russen, Deutsche und Zulukaffern, Mohammedaner, Juden, Christen und Atheisten – sie alle haben das gleiche Recht. Gerade wir Deutschen sind nach den Entsetzlichkeiten des Nationalsozialismus verpflichtet, dem ungeteilten Recht für alle Völker, Konfessionen und Menschen zu dienen.“ Dafür wurde Frey jetzt von der irakischen Regierung eingeladen. Er wolle, antwortete er, als „Botschafter der deutsch-arabischen Freundschaft’ nach Bagdad reisen – wenn er Zeit dazu habe.

Die Staatsanwaltschaft beim Landgericht München I erhob dieser Tage gegen Frey Anklage wegen Volksverhetzung, Verbreitung staatsgefährdender Schriften und Beleidigung. Und Frey versicherte sich vorsichtshalber einschlägig erfahrener Verteidiger, der Frankfurter Anwälte Laternser und Schmidt-Leichner.