In der kommenden Woche beginnt die Zeichnungsfrist für die 150 Millionen Mark Optionsanleihe der Deutschen Lufthansa AG, die mit einem Zinsfuß von 6 Prozent ausgestattet wird. Mit diesem Papier wird der deutsche Börsenkurszettel um eine neue Variante bereichert. Bisher gibt es Optionsanleihen nur im Ausland, Mit dem Kauf von Optionsanleihen wird das Recht erworben, Aktien der gleichen Gesellschaft zu einem späteren Zeitpunkt zu einem Kurs zu erwerben, der bei Zeichnung der Anleihe festgelegt wird.

Die Optionsanleihe unterscheidet sich also deutlich von der bei uns bekannten Wandelanleihe. Bei der Wandelanleihe kann der Besitzer die Stücke unter Zuzahlung eines festgelegten Preises in Aktien der gleichen Gesellschaft umtauschen. Wandelanleihen werden zunächst den Aktionären angeboten, die ihr Bezugsrecht jedoch (genau wie das auf junge Aktien) veräußern können. Bei einer Optionsanleihe besitzen die Aktionäre kein Bezugsrecht.

Wer Optionsanleihen der Lufthansa erwirbt, bekommt nicht nur ein sechsprozentiges festverzinsliches Papier, sondern obendrein das Recht, in der Zeit vom 1. September 1968 bis zum 31. August 1973 im Verhältnis 6:1 Lufthansa-Aktien zu einem Kurs, zu erwerben, der um höchstens 10 Prozent über dem Durchschnitt der amtlichen Kassakurse der Aktie in der Zeit vom 20. bis einschließlich 7. Tag vor Begebung der Anleihe gelegen hat. Wenn Sie, meine verehrten Leser, unser Gespräch lesen, wird der Kurs bereits bekanntgegeben worden sein. Ebenso der Ausgabekurs für die Optionsanleihe.

Wenn wir uns trotz dieser beiden Fragezeichen schon in dieser Ausgabe mit dem neuen Papier beschäftigen, dann hat das seinen Grund in der lebhaften Nachfrage, die nach der Optionsanleihe besteht. Für sie wurden außerbörslich Kurse von 103 bis 105 Prozent genannt. Wer deshalb Interesse an dieser Emission hat, muß sich schnell entscheiden und seinem Kreditinstitut schon möglichst vor dem offiziellen Zeichnungsbeginn einen Auftrag geben. Mit einem vorzeitigen Zeichnungsschluß ist ebenso sicher zu rechnen wie mit einer Repartierung der Zeichnungen.

Wo sind Licht und Schatten der Emission? Der Nominalzinsfuß von 6 Prozent liegt unter dem heute gängigen Satz von 6 1/2 Prozent. Ob dieser Nachteil durch einen niedrigen Ausgabekurs ausgeglichen wird, werden Sie, meine Leser, inzwischen wissen. Der Nachfrage nach wäre ein Pari-Ausgabekurs (100 Prozent) zu rechtfertigen gewesen. Der Zeichnungspreis dürfte aber darunter liegen. Aber auf alle Fälle wird den Besitzern der Optionsanleihe ein jährlicher Zinsverzicht zugemutet werden. Er wird zwischen 0,5 und 1 Prozent liegen.

Was bekommt der Besitzer der Anleihen als Ausgleich? Den Optionsschein, der ihn dazu berechtigt, in der schon eingangs erwähnten Frist im Verhältnis 6:1 Lufthansa-Aktien zu einem festgesetzten Kurs zu erwerben. In unserem Gespräch wollen wir zwei Schätzkurse zugrundelegen, die nach meiner Ansicht die beiden extremen Möglichkeiten darstellen. Nämlich 225 oder 240 Prozent.

Rechnen wir: 600 Mark Optionsanleihe würden bei einem geschätzten Ausgabekurs von 98 Prozent 588 Mark kosten. Da der Kurswert anderer sechsprozentiger Anleihen mit dem gleichen Nominalbetrag nur bei 564 Mark liegt, zahlt man in diesem Fall also 24 Mark für den Optionsschein. Würde die Lufthansa die ihr von der Hauptversammlung gebotene Möglichkeit ausnutzen und einen Optionskurs von 240 Prozent für die Aktien festlegen, so stellen sich die Kosten für diese Aktie auf 24 Mark plus 240 Mark Optionskurs = 264 Mark. Wer also auf einen Optionsgewinn spekuliert, muß der Ansicht sein, daß der Lufthansa-Kurs während der Optionszeit über diesen Kurs hinaussteigt. Heute liegt er erst bei 220 bis 230 Prozent.