Zusammengekommen waren in der sudanesischen Hauptstadt Khartum die arabischen Staatschefs mit der erklärten Absicht: „Die Folgen der israelischen Aggression rückgängig zu machen.“ Nach einer Charakterisierung der „Neuen Zürcher Zeitung“ glich die Gipfelkonferenz jedoch eher einer Gläubigerversammlung nach einem kommerziellen Konkurs als einem Kriegsrat verbündeter Waffengefährten nach einer verlorenen Schlacht.

Kein Interesse an dem arabischen Treffen zeigten die beiden Exponenten des arabischen Lagers: der Staatschef von Algerien, Boumedienne, und der Staatschef von Tunesien, Bourgiba. Jener wollte sich als Verfechter einer radikalen Kriegsführung nicht mit einem Kompromiß beladen, dieser war sich im klaren darüber, daß seine realistische Politik in Khartum wenig Aussicht auf Erfolg haben würde.

Unter den Ergebnissen, die diese arabische Gipfelkonferenz hervorbrachte, steht als erstes: Die Präsidenten und Könige waren sich einig, daß ihre Staaten einen Krieg gegen Israel in ihrem jetzigen desolaten Zustand nicht führen können. Sie suchen also nach einer politischen Lösung.

  • Der Ölboykott gegenüber den USA, Großbritannien und der Bundesrepublik wird aufgehoben.
  • Zwischen Ägyptens Staatschef Nasser und König Feisal von Saudiarabien wurde vereinbart, den kostspieligen Jemenkrieg zu beenden. Das ägyptische Expeditionskorps von 70 000 Mann soll sich zurückziehen, während Saudiarabien seine Unterstützung an die jemenitischen Royalisten einstellt. Diese Regelung entspricht einem Abkommen, das zwischen den verfeindeten Parteien bereits 1965 in Dschidda abgeschlossen wurde, damals aber ein wertloser Fetzen Papier blieb.
  • Alle ausländischen Militärstützpunkte auf arabischem Boden sollen aufgelöst werden. (Westliche Stützpunkte gibt es noch in Libyen, Marokko, Algerien und Südarabien.)

Die Einheit, die die arabischen Staatsmänner in Khartum demonstrierten, ist eine Scheinfassade. Die divergierenden Einzelinteressen unter ihnen sind so groß wie eh und je. Auf die Frage, wie der Israelkrieg politisch zu beenden sei, wissen die Araber keine einheitliche Antwort. Noch ist der Friede in Nahost nicht in Sicht.

Zum Ende des Araber-Gipfels bestätigte Nassers Sprachrohr „Al Ahram“ Meldungen über eine Offiziersverschwörung gegen den ägyptischen Staatschef. Die Putsch-Nachricht war im Westen bereits vor acht Tagen veröffentlicht worden.

Als Hauptverschwörer wurden Nassers alter Freund und Marschall Abd el Hakim Amer und der ehemalige Kriegsminister Badran entlarvt. Sie wollten, so heißt es in Kairo, die Armee unter Kontrolle bringen und den Präsident zwingen, Untersuchungen gegen jene Offiziere einzustellen, denen er Unfähigkeit während des Israelkrieges vorgeworfen hatte. Amer, Badran und fünfzig hohe Militärs sollen vor Gericht gestellt werden.

Inzwischen ist auch in Syrien ein Machtkampf unter den Baathisten ausgebrochen.