Washingtons trotzige Theorie vom vietnamesischen Luftkrieg

Von Karl-Heinz Jan Ben

Ich glaube nicht, daß irgend jemand den Einsatz von Atomwaffen von Herzen wünschen würde. Doch der letzte in der Welt, der wissen sollte, daß wir sie nicht anwenden wollen, ist der Feind. Er sollte jeden Abend mit der Angst ins Bett kriechen, wir könnten es doch tun.“ Mit solchen Parolen empfiehlt sich der Gouverneur von Kalifornien, Ronald Reagan, den Republikanern und dem amerikanischen Volk als Präsidentschaftskandidat für 1968.

Reagan hat eine lange Filmpraxis hinter sich; so wie er mag sich in der Tat ein Drehbuchautor in Hollywood die Lösung des Vietnam-Konflikts vorstellen. Auch in den Köpfen einiger Militärs mögen solche Ideen herumspuken, etwa bei dem pensionierten Fliegergeneral Lemay, der Nordvietnam ins „Steinzeitalter“ zurückbombardieren möchte. Vom alten Eisenhower hörte man ähnliches. Und ein Schriftsteller, der sich auf den südvietnamesischen Vizeluftmarschall Ky berief, hat Präsident Johnson geraten, er solle den unerquicklichen Luftkrieg mit einer Wasserstoffbombe auf Haiphong beenden.

Wie wurde doch Barry Goldwater verspottet, als er 1964 im Wahlkampf den Bombenkrieg gegen Nordvietnam predigte. Kaum hatte der wiedergewählte Präsident Lyndon Johnson seinen zweiten Amtseid abgelegt, da befahl er eben das, was sein Rivale gefordert hatte.

In der ersten Nacht nach der Mondneujahrsfeier 1965 hatten Stoßtrupps der Vietcongs mit Granatwerfern (übrigens made in USA) amerikanische „Militärberater“ aus den Betten geschossen. Johnson ließ daraufhin einige Staffeln Düsenjäger zu Vergeltungsangriffen gegen Nordvietnam starten. Nordvietnam – so die völkerrechtliche Begründung des State Department – habe sich der Aggression gegen Südvietnam schuldig gemacht.

Mit einer Strafaktion fing es an. Die Führer Nordvietnams, denen die Verantwortung für die Angriffe der Vietcongs unterstellt wurde, und mit ihnen auch die Staatsmänner in Peking und Moskau sollten davor gewarnt werden, in Südostasien den Bogen zu überspannen. Es traf sich gut, daß zur selben Zeit der sowjetische Ministerpräsident gerade Hanoi besuchte.