Neue Ideen verbreiten sich schnell – Im Angebot 1968: Überwintern im Süden, Reiseausfallkosten-Versicherung „Ohne Sorgen buchen“, Familienflüge – Immer weniger Platz für Reisende auf eigene Faust

Von Walther Weber

Turbulent wie in keinem Jahr zuvor waren die vergangenen Monate in der Flugtouristik. Rekorde versprachen die Buchungen dieser zukunftsträchtigen Fernwehindustrie den Veranstaltern zu Beginn des Jahres; Unruhe und Ungewißheit kennzeichneten indes das von der UNO so verheißungsvoll proklamierte Jahr des Welttourismus in zahlreichen Urlaubsgebieten. Wir fassen hier noch einmal zusammen:

Im klassischen Reiseland, Griechenland, kam es zum Umsturz, Diktatur und Willkür herrschen. In Zypern verunglückte eine schweizerische Chartermaschine mit über hundert, vor allem deutschen Fernflugtouristen. Nicht lange darauf stürzten zwei britische Charterflugzeuge mit Urlaubern ab. Kein Wunder, daß kritische Fragen über die Sicherheit im Sonderflugverkehr nicht verstummen wollten, und der Reiseboom – stärker als vor Jahresfrist nach dem Absturz einiger Linienmaschinen über Japan – unterbrochen wurde. Kurz vor der Hochsaison, Anfang Juni, stoppte der israelisch-arabische Krieg die so erfolgreich gestarteten Nahostreisen (Ägypten, Libanon, Israel, Jordanien) und Flüge nach Nordafrika. Erdbeben in der Türkei, die Störungen des Flugverkehrs auf Gibraltar sowie die Unruhen in Hongkong und in China erhöhten die Sorgen der Branche. Die wirtschaftliche Flaute in der Bundesrepublik tat ein übriges, den Kummer der Veranstalter wachsen zu lassen. Schließlich waren auch die etwas voreiligen und ungenauen Bemerkungen der Bundesregierung über Risiken bei Urlaubsreisen in Ostblockstaaten nicht dazu angetan, den Flugtourismus zu fördern.

Dennoch hat des deutschen Wirtschaftswunders spätes Kind seinen Höhenflug nicht unterbrochen. Langsamer ist der Anstieg zwar geworden, doch wird für 1967 mit einem Mehr von 25 bis 30 Prozent Flugurlaubern gerechnet. 1965 reisten von deutschen Flughäfen 489 000 Personen mit Sonderflugzeugen zum Ferienaufenthalt ins Ausland, 1966 stieg die Zahl um gut 37 Prozent auf 672 000 Personen. In diesem Jahr werden rund 880 000 Bundesbürger den Flug der Eisenbahn- oder Autofahrt über die Grenzen vorgezogen haben.

Offensichtlich hat der Flugtourismus die wirtschaftliche Rezession nicht zu spüren bekommen. Anders als beim Kreis der Eisenbahn- und Autotouristen trafen Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit die Schicht der die Flugreise vorziehenden Beamten, Angestellten und Facharbeiter nicht. Auch war die Zahl der Ängstlichen unter ihnen gering, die ihre Reisen wegen der Abstürze stornierten. Die jüngere Reisegeneration – das Durchschnittsalter der Flugurlauber liegt um 30 Jahre – erweist sich dem modernen Verkehrsmittel gegenüber aufgeschlossen und dem Flugrisiko gegenüber recht gleichgültig.

Die Trümpfe noch nicht ausgespielt