Heute, da der erkrankte Verteidigungsminister auf Genesung hoffen darf, kann die Groteske wohl erwähnt werden: Am Taxistand neben dem Pressehaus in Hamburg waren die Fahrer überzeugt, mit dieser Krankheit stimme etwas nicht. Die Vermutungen gipfelten sogar in dem Verdacht: „Dem hat bestimmt einer übern Kopp gehauen – irgend ’n politischer Gegner.“ Und ähnlich auch anderswo. „Was soll man da noch glauben!“ – so lautete der harmlose Seufzer des „Mannes auf der Straße“. Mißtrauen, wohin man kam. Das hatte mit seinem Schweigen das Verteidigungsministerium getan...

Die Meldungen waren widersprüchlich wie die Gerüchte. Der Minister sollte in seinem Kampener Ferienhaus die Treppe heruntergefallen ... auf einer Bananenschale ausgerutscht sein ... einen Schädelbasisbruch ... einen Nervenzusammenbruch erlitten haben. Fest stand nur, daß er in einem Militärflugzeug nach Hamburg geflogen und auf einer Bahre ins Universitätskrankenhaus Eppendorf gebracht worden war.

Vielleicht könnte man vom Fach der behandelnden Ärzte auf die Art seiner Krankheit schließen? Da war Professor Janßen – Neurologe. (Der Volksmund: „Warum nicht gleich Bürger-Prinz?“ – das ist der Psychiater, in Hamburg recht populär). Und Janßen hatte den Professor Donat zugezogen – Herzspezialist, Oberarzt am „Institut für Kreislaufforschung“, einer wissenschaftlich hochangesehenen Abteilung der Eppendorfer Klinik. Nein, das Fach der Ärzte sagte für die Öffentlichkeit wenig über die Krankheit aus. Und wem es gelang, die Professoren am Telephon zu erreichen – „Kein Kommentar!“, so klang es ihm aus dem Hörer entgegen. Das Verteidigungsministerium hatte die Ärzte in Hamburg streng „vergattert“. Was wollten sie machen? Sie schwiegen.

Derweil versuchten Photographen, die Mauer des Pavillons 51 bis zur ersten Etage emporzuklettern. Und einem gelang es sogar, bis ins Vorzimmer der Krankenstube vorzudringen.

Widersprüchliche Meldungen fördern Gerüchte. Als der Direktor des „Instituts für Kreislaufforschung“ aus dem Urlaub nach Hamburg zurückkehrte, hieß es sogleich, der Zustand des Ministers habe sich verschlimmert. Das Gegenteil war der Fall.

Dabei wäre die Sache so einfach gewesen, denn die Ärzte hatten sofort die Diagnose gefunden: Herzrhythmus-Störung, verbunden mit Zuständen der Bewußtlosigkeit. Dies hielt – erst nach Tagen und viel zu spät – auch das Bulletin fest.

Man durfte also auf den sogenannten „Adams-Stokes“-Anfall schließen: einen Wechsel von inkompletter zu kompletter Reizleitungsblockierung. (Das Herz besitzt ein eigenes Reizleitungssystem: es produziert die Reize seiner Muskelkontraktion selbst.) Extrem niedrige Herzfrequenzen wechseln unter Umständen mit „Kammerflattern“, wobei es zu 200 bis 400 Kontraktionen pro Minute kommen mag, während die Bewußtlosigkeit einmal nur einen Augenblick, ein anderes Mal aber Minuten dauern kann.