Während des Krieges war sie nur wenigen bekannt, danach machte sie Schlagzeilen: Ilse Koch, bekannt als „Kommandeuse von Buchenwald“, berüchtigt als Quälerin und Totschlägerin von KZ-Häftlingen. Am vergangenen Wochenende starb sie. Die 61jährige Insassin der bayerischen Frauenhaftanstalt Aichach hatte sich in ihrer Zelle mit einem an der Tür befestigten Bettuch erhängt. In einem Abschiedsbrief an ihren 1947 in einem Gefängnis geborenen Sohn Uwe hatte sie geschrieben: „Ich kann nicht anders. Der Tod ist für mich eine Erlösung.“

Der Staatsanwaltschaft gab Kochs Selbstmord Rätsel auf: Wurde sie nicht streng genug bewacht? Die Kriminalpolizei prüft, ob das Gefängnispersonal seine Aufsichtspflicht vernachlässigt hat.

Das Leben Ilse Kochs ähnelt dem vieler kleiner Nazis, die plötzlich über Leben und Tod vieler Menschen entscheiden konnten. Oft nutzten sie ihre Macht zum Mord. Das Besondere in diesem Fall war nur, daß es sich um eine Frau handelte. So gingen damals die Berichte vom Prozeß gegen Ilse Koch um die ganze Welt. Sie wurde zum Symbol der KZ-Mörderin.

Als Tochter eines sächsischen Werkmeisters wurde sie Bibliothekarin. Mit 30 Jahren heiratete sie den SS-Standartenführer Karl Koch, einen notorischen Portokassendieb. Die Hochzeit fand im Konzentrationslager Sachsenhausen statt, in das Koch als Kommandant abkommandiert worden war. Dort brachte ihm seine Frau drei Kinder zur Welt.

1939 wurde Karl Koch als Lagerleiter nach Buchenwald versetzt. Hier begann die Schreckensherrschaft der „Hexe von Buchenwald“. Ilse Koch pflegte mit ihrem Pferd, „Puppe“ genannt, durch das Lager zu reiten. Häftlinge schlug sie mit ihrer Reitpeitsche oder ließ, sie von dem Wachpersonal umbringen. Unbewiesen blieb in den späteren Prozessen, ob sie die tätowierte Haut von Ermordeten für ihre Lampenschirme verwendete. Über sie schrieb Gerhart Hermann Mostar aus dem Schwurgerichtssaal: „Der kleine Dieb Karl Koch wurde nun zum maßlosen Schlächter, sein kleines Weibchen zum anmaßenden Weib.“ Und Konrad Morgen, ein ehemaliger SS-Richter, sagte über sie: „Ilse Koch ist ein perverser, mannstoller, machtbesessener Dämon.“

1944 war Karl Koch vor ein SS-Gericht gestellt worden. Er wurde wegen „illegaler Tötungen“, Korruption und Bereicherung zum Tode verurteilt. Seine Frau kam mit dem Leben davon. Anfang 1945 wurde der Buchenwalder Lagerkommandant hingerichtet.

Ein US-Militärgericht hatte Ilse Koch zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt, General Lucius D. Clay begnadigte sie aber später zu vier Jahren Gefängnis. Nach ihrer Entlassung wurde ihr von einem deutschen Schwurgericht der Prozeß gemacht, diesmal lautete die Anklage auf Mord und Totschlag. Am 15. Januar 1951 fällten Augsburger Richter das Urteil über sie: lebenslänglich. Ilse Koch wurde in das Zuchthaus Aichach eingeliefert. Zuletzt war dort Vera Brühne die zweite Prominente in der Frauenabteilung.

Ilse Koch, die von einem Psychiater als „sexuell aggressiv und sadistisch“ bezeichnet worden war, galt in den letzten Jahren als ein Musterhäftling; sie lernte drei Sprachen. Immer weder richtete sie Gnadengesuche an das Münchner Justizministerium, zuletzt vor einem Jahr. Sie wurden stets abschlägig beschieden. Fruchtlos blieb auch ihr Versuch, den bayerischen Staat zu verklagen. Sie verlangte eine Nachversicherung zur Angestelltenversicherung ihres Mannes.