Anfang des Jahres klopften die Russen bei General Dynamics an. Sie wollten ein Tauchboot (Star III) kaufen, das in Tiefen bis zu 600 Meter taucht. Das amerikanische State Department verweigerte jedoch die Exportgenehmigung: Das Tauchboot könnte militärischen Zwecken dienen. Doch Star III eignet sich für die Marine wie etwa ein zweisitziges Reiseflugzeug für die Luftwaffe.

Das Verbot hat einen anderen Hintergrund: der Wettlauf in die Meerestiefen hat – von Deutschland kaum beachtet – längst begonnen. Zwar genießt die Tiefseeforschung bisher nicht die Publizität der Raumfahrt, aber die wirtschaftlichen Aussichten sind weit bedeutender.

Die Amerikaner nehmen an, daß im Ozeanboden liegende Kupfervorkommen für zwei Millionen Jahre ausreichen. Allein aus dem Pazifik könnten 50 Prozent des amerikanischen Nickelbedarfs, 100 Prozent des Mangan- und etwa 55 Prozent der Kobaltnachfrage gedeckt werden. Die Ölvorräte werden auf etwa 100 Milliarden Tonnen geschätzt. Aus dem Ozean könnte eine Weltbevölkerung von 30 Milliarden Menschen ohne Schwierigkeiten ernährt werden.

Die Ozeanographie steht zwar erst am Anfang, doch der Wert der aus den Meeren gewonnenen Schätze ist bereits heute weitaus höher als die jährlichen Forschungsausgaben. Die amerikanische Regierung hat für 1967 rund 1,2 Milliarden Mark für die Erforschung des Meeresbodens bereitgestellt. Sie gewinnt jedoch ein Vielfaches dieses Betrages allein aus den Konzessionen für Erdöl- und Erdgasgewinnung in ihren Hoheitsgewässern.

Die Amerikaner schürfen bereits auf dem Meeresboden: Diamanten, Magnesium, Schwefel, Eisenerz und Zinn. Die Firma Mizoguchi in Japan holt jährlich 10 Millionen Tonnen Eisenerz aus der Bai von Tokio. Thailändische Unterwasserminen fördern Zinn aus dem Meeresboden. Vor der australischen Küste suchen die Amerikaner nach Gold und Platin.

In der Erforschung, in der Entwicklung des technischen Gerätes für die Unterwasserproduktion und in der praktischen Nutzung führen die Amerikaner. Welche Bedeutung die amerikanische Industrie der Tiefseeforschung beimißt, erkennt man daran, daß fast alle führenden Weltraum- und Luftfahrtunternehmen, aber auch der Elektronik und des Bergbaus sowie selbst die großen Autofirmen inzwischen ozeanographische Abteilungen eingerichtet haben.

Kernproblem ist der Bau von Unterseebooten und Tiefseestationen. Die Sealab II der amerikanischen Marine soll bis 1970 mit 40 Mann Besatzung 200 Meter tief tauchen und sich mehrere Wochen unter Wasser aufhalten. Gleichzeitig soll ein Unterseeboot mit Meßgeräten eine Tiefe von 7000 Metern erreichen. Das Privatunternehmen Lear Siegler hat für 1975 eine Unterwasser-Wohn- und Arbeitskolonie in rund 500 Meter Tiefe angekündigt. Daneben experimentieren Lockheed, Westinghouse, General Dynamics, Reynolds Metal und General Motors seit Jahren mit Tauchbooten.