Von Ernst Wilhelm Nay

Das war Tells Geschoß, Herr Schmied hat es weder geschmiedet noch abgeschossen, sondern nur in den Briefkasten derjenigen Zeitung geworfen, deren Feuilletonredakteur Angriffe gegen Haftmann und Nay zu gern abdruckt. Haftmann abzuwerten, wird hoffentlich einen Sturm auslösen, noch dazu abzuwerten mit dem heute in Westdeutschland gebräuchlichsten Schimpfwort: „Du bist nicht modern.“

Was mich betrifft, so freue ich mich dieser neuerlichen Beschimpfung, denn ein Künstler bedarf der Diffamierung, sogar der Selbstdiffamierung.

Malen! Man verzeihe es dem Literaten Schmied, wenn er jeden, der im Atelier steht, Maler nennt. Das eben tut Haftmann nicht. Für ihn gibt es, wie für Herrn Schmied, viele Sorten von Künstlern, aber ein Maler ist für ihn Farbsetzer. Das kann ein Literat nicht wissen, auch nicht wissen, was das ist. Aber wissen tut er, daß ich große Namen zu dem großen Namen Haftmann hinzusetzen kann, die Haftmanns Ansicht teilen und sagen, daß mein Fall, der Fall der geistig sinnlichen Setzung der farbigen Arabeske, heute einmalig und aktuell ist.

Übergehen wir die kleinen Schmutzereien in jenem Artikel, Verwischung der Jahreszahlen, den süßlich freundschaftlichen Ton und andere kleine Gemeinheiten.

Jeder weiß, warum jener Artikel geschrieben wurde und veröffentlicht wurde. Und jeder weiß, daß jener öffentliche Brief. nicht für das allgemeine Publikum geschrieben wurde. Und jeder also vom Fach kennt die Hintergründe, die der Scribent sorgsam verbirgt.

Ganz sicher bin ich, daß alle an der Kunst Wirkenden und die moderne Kunst Liebenden denjenigen verachten, der Haftmann beschmutzt.