Der Mann, der’s möglich macht, ist nie am Ende. Er wird noch manches möglich machen, das jetzt noch als unmöglich gilt. Und wer sich ins Gedächtnis ruft, daß durch seine Mitwirkung, zum Beispiel, der Preis für eine vollautomatische Waschmaschine in zwei, drei Jahren um zwei Drittel gesunken ist, daß er längst nicht nur Gegenstände anbietet, sondern Reisen, Versicherungen, Aktien, der sieht sich gezwungen, ihm kaufmännisches Geschick nachzusagen und mehr: Interessantes von ihm ständig zu erwarten.

Und wahrhaftig, wer so viel „Praktisches“ anbietet – einmal spürt er den Drang zum Besonderen, wenngleich er dann, ein bißchen verlegen, zugibt, daß sich dieses Besondere kaum jemand für sich selber kaufen wird. Luxus ist anrüchig; der Staat belegt das manchmal mit Steuern. So steht denn im jüngsten Katalog, Seite 535, über dem besonderen Angebot der distanzierende Hinweis: „Neu – wertvolles Geschenk.“

Und was schenkt man? Ein Fahrrad, nicht nur so beschrieben: „Einrohrrahmen für den PKW-Kofferraum. Mit Freilauf-Rücktrittbremsnabe, Vorderradfelgenbremse und Seitenständer“, sondern auch so: „Rahmen, Schutzbleche und Vollschutz-Kettenkasten, hochglänzend, echt vergoldet (galvanisch).“ Man hätte es gleich ahnen können, denn weil das Rad kostbar ist, trägt es einen französischen Namen, „Plicyclette“, eine Mixtur aus bicyclette (Fahrrad) und plier (falten).

Gut, daß man so etwas nur verschenken soll. Erwürbe man es selber, müßte man an allzuviel Hinderliches denken: an die Putzstunden etwa, zu denen die Eltern schon das radfahrende Kind zwingen, an die Ermahnungen, das Rad nicht im Regen stehen zu lassen, an den hier besonders peinlichen Anblick von Schmierfett auf purem Gold, an die Möglichkeit von Pannen samt der Gefahr, Kratzer, Beulen und dergleichen zu hinterlassen.

Nun gut, das Ding ist mit dreieinhalbhundert Mark gewiß nicht teuer, und wer’s bekommt, verfügt möglicherweise über Dienerschaft, vielleicht hat er auch den Mut, den Golddrahtesel trotzdem zu benutzen, selbst wenn er vorläufig noch den Vorschriften des Straßenverkehrs widerspricht: Er wird nämlich, des niedrigen Preises wegen, „ohne Beleuchtung“ geliefert wie jedes gewöhnliche Rad. Und selbstverständlich ohne Schloß, mit Recht: Kein Dieb will auffallen, und welcher hätte schon eine Goldscheideanstalt. m. s.