Glaubt man Theo Hieronimi, dann verdankt er den kommenden Gipfelpunkt seiner Karriere dem neuen deutschen Aktiengesetz. Hermann Josef Abs, der in zu vielen Sätteln reitet, muß sich von einigen seiner Aufsichtsratsmandate trennen. Er hat sich dafür entschieden, auch den Aufsichtsratsvorsitz bei der Salamander AG in Kornwestheim niederzulegen. Da es den bisherigen Vorstandsvorsitzer des größten europäischen Schuhkonzerns, Dr. Elmar Michel, aufs Altenteil drängt, will dieser Nachfolger des Bankiers werden. Und deshalb suchte Salamander einen neuen Generaldirektor.

Daß die Schwaben dabei auf Theo Hieronimi, den Generalbevollmächtigten der Kaufhof AG in Köln, verfielen, das allerdings hat das Aktiengesetz nicht vorgeschrieben. Warum sie auf ihn verfielen, kann Hieronimi nur vermuten. Freimütig gibt er zu, von Schuhfabrikation nichts zu verstehen. „Aber“, so ergänzt er, „produzieren ist heute keine Kunst mehr – auf das Verkaufen kommt es an.“ Zwar gilt auch auf diesem Gebiet der leitende Angestellte des Kaufhof nicht als Prototyp des Mannes mit der Nase für das zugkräftigste Angebot – aber das Gegenteil ist aus Mangel an Gelegenheit auch nicht bewiesen.

Im übrigen habe er, so versichert der Salamander-Chef in spe, nicht die Absicht, „aktiv in die Schaufenstergestaltung einzugreifen“. Wenn man ihn aber schon auserkoren hat, dem Vertrieb der Salamander-Schuhe neue Impulse zu geben, dann muß es dafür noch andere Gründe geben. Und es fällt nicht so fürchterlich schwer, sie zu finden, wenn man erst einmal die Parallelität der Probleme in der bisherigen und künftigen Tätigkeit Hieronimis entdeckt hat.

Bisher war er nämlich kein Mann, der nur die Geschäfte des Kaufhof betrieben hat. Vielmehr gehört zu seinen wesentlichen Aufgaben der Interessenausgleich zwischen den Großen und Kleinen im deutschen Handel. Die Warenhauskonzerne, von denen der Kaufhof ja nur einer ist, sind vielen kleinen und mittleren Einzelhändlern ein Dorn im Auge. Wo die eigene Tüchtigkeit des Mittelstandes nicht mehr ausreicht, da taucht der Buhmann in Form des allmächtigen Konzerns auf. Zwar behaupten sich Tausende von Einzelhändlern ganz prächtig neben diesen Giganten, immer wieder wird aber der Ruf nach dem Gesetzgeber laut, der die Kleinen vor den Großen schützen soll.

Vor diesem Hintergrund hat sich Theo Hieronimi um Ausgleich bemüht. In verschiedenen Gremien des Handels hat er um Verständnis für die Probleme der Großunternehmen geworben, gleichzeitig aber auch bei den Warenhauskonzernen mehr Verständnis für die kleinen Konkurrenten geweckt. Soweit hier überhaupt ein Ausgleich möglich ist, hat Hieronimi ihn geschaffen.

Und um das Verhältnis zwischen Groß und Klein wird er sich auch bei Salamander zu kümmern haben. Denn der Schuhkonzern, der 1966 rund 14 Millionen Paar Schuhe produziert hat, setzt nur einen Teil davon in den 75 eigenen Läden ab. Das Gros wird über 1600 Vertragshändler vertrieben – der Riese muß mit den Zwergen leben und umgekehrt. Daran mag man bei Salamander in erster Linie gedacht haben, als man sich für Theo Hieronimi entschied.

Der heute 59jährige Wuppertaler, der vom nächsten Jahr an die Geschicke von Salamander leiten soll, sieht seine Aufgabe in der Modernisierung des Vertriebs. Und wenn ein Produzent so von einer Vielzahl von Abnehmern abhängig ist wie Salamander, dann bedarf es dazu der „konzertierten Aktion“. Mit anderen Worten – die Vertragshändler müssen bereit sein, neue Konzeptionen des Vertriebs zu akzeptieren; wer anders als Theo Hieronimi wäre besser dazu geeignet, eine für beide Teile befriedigende Lösung zu finden?