Die Strompreise, bisher in den Fesseln staatlicher Kontrolle, sollen vom nächsten Jahr an frei sein. Im Bundeswirtschaftsministerium hält man einen ganzen Katalog guter Gründe für die Preisfreigabe bereit und bestreitet energisch, was die Auguren munkeln: daß sich der Staat von der Verantwortung für die Strompreise ausgerechnet in dem Augenblick befreien wolle, da die Einführung der Mehrwertsteuer eine Tariferhöhung wahrscheinlich macht.

Aber das ist nicht der Kernpunkt. Vielmehr geht es um die Frage, ob ein Unternehmen ohne Kontrolle sein soll, das eine Monopolstellung hat. Denn der Verbraucher ist auf seinen Stromlieferanten angewiesen – er muß dessen Bedingungen akzeptieren. Zwar wird in Bonn argumentiert, daß es auch nach der Aufhebung der Preisauf sieht. genügend Handhaben gegen einen Mißbrauch der Monopolstellung gibt; aber schon die bisherigen schärferen Bestimmungen haben nicht verhindern können, daß der Verbraucher in einigen Regionen über Gebühr zur Ader gelassen worden ist.

Zwar will man nun den Markt transparenter machen und dadurch die Stromversorger stärker unter die Kontrolle der Verbraucher stellen. Aber daß damit das erstrebte Ziel einer Neuordnung der zersplitterten Elektrizitätswirtschaft wirklich erreicht wird, muß bezweifelt werden. Zumindest wird hier ein Umweg eingeschlagen, der mehr nach Ludwig Erhard als nach Karl Schiller aussieht. hgk.