Es begann mit dem Vorwort zu einem Kunstkatalog. Die Geleitworte, die Professor Werner Haftmann, der Autor des Standardwerkes über „Malerei im 20. Jahrhundert und Direktor der Neuen Nationalgalerie Berlin, dem Maler Ernst Wilhelm Nay aus Anlaß einer Ausstellung bei der Galerie Franke (München) mit auf den Weg gab, gingen über das Maß des Katalogüblichen hinaus. Haftmann nahm hier Gelegenheit, das Lob für Nay mit einem kräftigen Tadel für das, was er als „jüngste Malerei“ zusammenfaßte, zu verbinden. Dadurch fühlte sich Dr. Wieland Schmied, der Direktor der Kestner-Gesellschaft in Hannover, nicht ohne Grund getroffen: Das von ihm geleitete Haus war und ist der prominenteste „Tummelplatz“ für eben jene „Pop-, Op- und Beat-Artisten“, die Haftmann wohl, unter anderen, gemeint hat. Hier wurde in den letzten Jahren die Wiener Schule des Phantastischen Realismus und die Zero-Gruppe, hier wurden Bernard Schultze, Konrad Klapheck, Horst Janssen und Hans Bellmer ausgestellt. „Mich betrübt“, so schrieb Wieland Schmied in seinem Offenen Brief an Werner Haftmann (ZEIT Nr. 33), „wie die aufrichtige Liebe zu einem Künstler dazu führen kann, andere – fast könnte man aus Ihrem Text schließen: alle jüngeren – gering zu achten und mit ihrem Werk auch ihre Absichten zu verdächtigen.“ Wir erhielten daraufhin einen Brief von Ernst Wilhelm Nay, den wir in der ZEIT Nr. 35 abdruckten. Wenn wir diesen Brief hier noch einmal abdrucken, so deshalb, weil die durch Haftmann veranlaßte Diskussion weitergeht und weil man einen Text wie den von Nay nicht auszugsweise zitieren kann. Horst Janssen, ein Kollege von Nay (eine Feststellung, durch die sich beide gleichermaßen beleidigt fühlen werden), kommentiert auf seine Weise in Wort und Bild. Auf den durch Haftmanns Ausführungen wieder zum Diskussionsgegenstand gewordenen Konflikt der Generationen kommt Professor Carl Georg Heise, der Nestor der deutschen Kunstkritik und ehemalige Direktor der Hamburger Kunsthalle, zurück. Petra Kipphoff