Der Krieg ist eine soziologische Erscheinung. Eine alte, unabänderliche Sitte. Mit ihr verteidigen die Völker ihre höchsten Güter wie Heimat, Vaterland, Volk ohne Raum. Der Krieg entspringt mythischem Denken und ist formaljuristisch nicht erfaßbar. Der Mensch handelt naturgesetzlich. Der Krieg erlöst den Menschen aus dem monotonen Alltag und der bürgerlichen Enge. Er schafft Helden. Er schafft auch Veteranen. Helden widmet man Heldengedenktage. Die Veteranen treten dann zusammen, um das Heldentum vergangener Tage, das in Friedenszeiten stets abhanden kommt, wieder zu erneuern.

Der Krieg weckt das politische Interesse der Jugend und schafft Ideale, für welche zu sterben sich lohnt. Er spannt die Kräfte, aktiviert die menschliche Energie. Er ist die höchste Form des Seins.

Erst der Krieg adelt im Mann die Mannestugenden wie Kameradschaftsgeist, Mut, tapferes Verhalten vor dem Feind. Er vereint die einzelnen zu einem Kollektiv nationaler Opferfreudigkeit und Selbstbesinnung. Der Mensch beschränkt sich freiwillig. Auch in bezug auf Speisen. Er ißt gesünder und ist dadurch gesünder. Der Krieg ist die fortschrittlichste soziale Einrichtung, indem er alle gleichsetzt, gleich tief. Er besitzt außerdem den Vorteil, daß er sich jederzeit als Sofortmaßnahme in die Tat umsetzen läßt. Es ist nicht einmal ein Schreiben, eine Erklärung notwendig.

Der Krieg ermöglicht den Vertretern männlichen Geschlechts, technische Geräte wirkungsvoll zur Anwendung zu bringen, worauf ihr ganzes Streben schon seit ihrer Jugend zielt. Er ermöglicht ihnen außerdem häufigeres Reisen. Sie kommen in der Welt herum und lernen einen großen Teil des Globus kennen. Auch in bezug auf die Touristik ein Gewinn.

Der Krieg entfaltet eine angeregte Tätigkeit im Gesamtbereich der Wirtschaft. Er läßt die Börsenkurse hochschnellen, zumal, wenn man ihn fern der eigenen Grenzen führt. Er zwingt Gelehrte aller Länder, der Forschung neues Wissen abzuringen. Die Wirtschaft läuft auf vollen Touren. Arbeitslosigkeit und Hunger verschwinden gleichsam über Nacht. Freudig leistet man das Doppelte. Man tut es für den Krieg. Der Krieg ist Sache der Nation und daher jedes einzelnen. Auch an den Fronten sagen die Kriegsparteien der Arbeitslosigkeit den Kampf an, indem sie für eine fruchtbare Zusammenarbeit sind.

Auch was die Zukunft angeht, hat der Krieg an Aktualität nichts eingebüßt. Wir stehen zur Zeit vor dem nie dagewesenen Problem der Überbevölkerung der Erde. Beurteilt man es richtig, bietet der Krieg, auf seinen neuesten Stand gebracht, auch hier die radikalste Lösung, was selbst den Uneinsichtigsten klarwerden muß.

Schließlich ist der Krieg auch insofern Dienst am Reich Gottes, als er uns dieses Reich bei der hohen Qualität der kriegerischen Mittel unmittelbar in Aussicht stellt. Er ist unsere segensreichste Einrichtung. Er ist Vollender aller Dinge. Wer dies nicht anerkennt, stellt einen potentiellen Schädling für den Krieg dar. Kriegsdienstverweigerer werden denn auch zu Recht verfolgt und mit Kerkerhaft bestraft.

Dieses „Plädoyer“ und andere „Lapidare Geschichten“ erscheinen, illustriert von Celestino Piatti, im Piper-Verlag, München.