Berlin

Der eben getaufte Sohn der holländischen Kronprinzessin soll einmal "etwas Stechendes im Blick" haben, und seiner Schönheit wird "etwas Diabolisches anhaften". Dies ist im Haus Nummer 4 der Friedenauer Büsingstraße so klar wie das Amen in der Kirche. Hier wohnt Cornelius van Dijk, der das zweispurige Leben eines lyrischen Tenors an der Deutschen Oper Berlin und eines Astrologen führt.

Zwei Schreibmaschinenseiten füllt seine Vorhersage über die geistigen und körperlichen Möglichkeiten des am 27. April 1967, 19 Uhr 57 zu Utrecht geborenen Knaben Willem Alexander Claus George Ferdinand Prinz von Oranje-Nassau.

Der Tenor, der gegenwärtig als Walther von der Vogelweide im "Tannhäuser", als italienischer Sänger im "Rosenkavalier" und als Hans in der "Verkauften Braut" seine Pflicht im hiesigen Opernrepertoire erfüllt, schickte kürzlich das Horoskop an Claus von Arnsberg, den Prinzen der Niederlande.

Dabei hatten den im holländischen Haarlem geborenen Sänger-Astrologen nicht ausschließlich Heimatgefühle getrieben. Als er seine sphärischtrigonometrischen Berechnungen um die Prinzen-Zukunft anstellte, reizte ihn besonders die Tatsache vom ersten männlichen Nachkommen im holländischen Königshaus seit 116 Jahren. Und da es keine Auftragsarbeit war, mußte sich van Dijk mit dem Geburtsdatum, der Geburtszeit und dem Geburtsort als Forschungsgrundlagen zufriedengeben.

Doch auch seine Teilergebnisse über Hollands hochwillkommenen Säugling werden die betroffenen Eltern inzwischen erreicht haben, die dann Einzelheiten wie diese lesen: "Er ist weder ausgesprochen romantisch, noch klassisch veranlagt... Seine Veranlagung geht in Richtung der Großmutter, Königin Juliana, und er wird deren Nähe immer verspüren ... Er wird etwas Seltsames und Rätselhaftes an sich haben, was für die Umwelt nicht immer leicht sein wird." Freudig kann Beatrix registrieren, daß "er sich eignen wird für das Staatswesen, als Staatsoberhaupt wie geschaffen ist, wenn man ihm die nötige Disziplin in der Jugend auferlegt, denn er ist keineswegs ein Mauerblümchen und ..." – jetzt wird die herrschaftliche Mutter kummervoll lächeln – "liebt die Genüsse des Lebens in jeder Beziehung". Daß "der Drang nach Vergnügen und Geldausgeben durch Erziehung zu mäßigen ist", wird die Prinzessin trösten, "wenngleich die völlige Unterdrückung, besonders bezüglich der Genußsüchte, eine gefährliche Auswirkung haben könnte auf seine seelische Potenz".

Alles in allem ein subtiler Bursche; dabei verliebt in Prunk, beliebt bei den kleinen, nicht allzu beliebt bei. den höheren Ständen "und in späteren Jahren dann von hohem diplomatischen Niveau". Augen, Ohren und Zähne seien die schwachen Stellen seines Organismus. Erst spät würde er heiraten. Und "mit etwa 16 Jahren wird ihn ein plötzliches und von höherer Gewalt entschiedenes Erlebnis überkommen. ... Eine ältere Persönlichkeit spielt eine große Rolle in seiner Entwicklung, Schwierigkeiten könnten ihm der "starke Auslandsdrang" bereiten, "ungehaltenes Reden" und "übereiltes Handeln".