Die vietnamesische Wahlfarce ist beendet. Gesiegt haben die Militärs. Das war keine Überraschung, ebensowenig wie es nicht Verwundern konnte, daß sich die amerikanische Kontrollkommission, die der wendige Johnson unter innenpolitischem Druck nach Vietnam geschickt hatte, am Ort der Handlung nicht anders ausnahm als eine Ausflugsgesellschaft demokratischer Laienprediger.

Aber immerhin machte diese amerikanische Aufsichtsaktion wieder ganz deutlich, wie sehr das Regime in Saigon ein Regime von Washingtons Gnaden ist. Daran gibt es nichts zu beschönigen, und darüber kann alle Wahlakrobatik nicht hinwegtäuschen.

Die amerikanische Regierung, kein Zweifel, hat diese Wahlen im Dschungel gewollt. Offenbar spielte dabei die Absicht eine Rolle, die südkoreanische Lösung nun auch auf Südvietnam anzuwenden: Generäle, die sich die Macht angeeignet hatten, sollten durch eine Wahl demokratisch legitimiert werden. Ein Regime, welches einen demokratischen Schein vorweisen und somit den Anspruch erheben kann, es vertrete den Volkswillen, ist als Bündnispartner fraglos willkommener als ein Regime, das auf Bajonetten sitzt.

Dieser demokratische Schein liegt jetzt vor. Aber er trügt. H.G.