Er fährt nach Afrika und Lateinamerika, in den Hauptstädten trifft er sich mit Börsianern zum Lunch, am Nachmittag reist er in die Provinz oder schlägt mit einem Landrover den Weg zur Plantage ein. Seit Jahren berichten Großanzeigen und Fernsehspots vom Tchibo-Experten unterwegs. Er ist wohl um die Fünfzig, kämmt sein Haar glatt und pflegt ein graues Schnurrbärtchen. Konservative Anzüge mildern seine Beleibtheit, selbst in der Mittagssonne behält er das Jackett an, wenn er Neger beim Verladen oder Mestizen beim Ernten beaufsichtigt.

In der Welt des Kaffees ist er zu Hause, in Salvador, Brasilien, Uganda oder Tansania. Grundsätzlich ist sein Gesicht verschlossen, Sonne und Genever haben es gerötet. Unmutig folgt er dem kindlichen Getue um sich herum. Auf einer Flußfähre, vielleicht bei Barranquilla in Kolumbien, hält ein Kabriolett neben ihm. Zwei Muchachos erkennen ihn: „Ah, Señor Tchibo“, und radebrechend fahren sie fort: Sie seien in Deutschland gewesen. Einen Gruß an die Hausfrauen Deutschlands, sie kochen den besten Kaffee der Welt. Da lächelt der Experte verlegen, man hat seinen schwachen Punkt getroffen. Das Stück geht zu Ende, die kolumbianische Hausfrau geht leer aus.

Ich habe etwas von der kolumbianischen Hausfrau kennengelernt. In den Slums der Städte wird sie oft mit dreizehn zum erstenmal Mutter. Bei fünf Kindern bleibt es selten, zwölf sind nichts Besonderes. Arbeit findet sie nicht leicht, allerhöchstens schlecht bezahlte im Einzelhandel oder im Haushalt bei reicheren kolumbianischen oder ausländischen Hausfrauen. Ihre Kinder wird sie, sobald sie sechs bis acht sind, betteln, Schuhe putzen oder Scheibenwischer stehlen schicken. Wenn sie einen Mann hat, der bei ihr bleibt, wird er dasselbe tun wie ihre Kinder oder durch Loseverkauf, Wagenwäsche oder Ähnliches ein paar Mark mitbringen. Für Landarbeit gibt es einen gesetzlich garantierten Tageslohn von umgerechnet drei bis vier Mark; bei dem Versuch, ihn durchzusetzen, hat die kolumbianische Hausfrau häufig ihren Mann verloren. Seit 1954 starben in Bürgerkriegen 300 000 Menschen.

Sie hält ihr Haus dennoch in Ordnung, stopft die Löcher im Dach und gräbt Abflußrinnen für das Regenwasser. Hinter dem Haus sticht sie eine Kloake aus, hält Hühner und pflanzt etwas Mais. Wenn ihr auch nicht viel Zeit für die Kinder bleibt, wird sie sie doch das Vegetieren lehren können.

Aber wie steht es im Kaffeeland Kolumbien um das Kaffeekochen? Es regnete am Summa Paz, und ich sah Hausfrauen auf dem Weg zur Feldarbeit Kaffeebohnen kauen. Die Nacht hatte zwölf Grad in Bogota, und ich sah eine Hausfrau einen Peso zusammenbetteln, für den sie sich einen Milchkaffee kaufte. Ich sah Kolumbianerinnen, die einen schwarzen Sud brauten und, statt ihn einzuschenken, den Topf reihum wandern ließen. Die kolumbianische Hausfrau mag für vieles Lob verdienen, für ihre Kaffeekochkunst tut sie es nicht.

Noch während ich in Kolumbien war, hat der Tchibo-Experte Heimaturlaub bekommen. Er nutzt ihn, die im Ausland gerühmten deutschen Hausfrauen zu besuchen (eine von ihnen hat er dieser Tage geheiratet). Die junge Klavierlehrerin, bei der er zu Gast ist, hat ihm vorgespielt und läßt jetzt in Gedanken einen Finger auf der Taste liegen. Ein Engel geht durchs Zimmer, und der Experte überlegt: Wie macht sie das nur alles, Haushalt, Beruf? Und was für einen guten Kaffee sie ihm angeboten hat!

Seit er in Deutschland ist, überkommt sein Gesicht immer öfter ein seltsamer Glanz. Sein in langen Tropenjahren gestähltes Gemüt wird weich.