Von Karl Otto Pohl

W er sich heute ein Haus baut, kommt billiger davon als vor zwei Jahren. Grundstücks- und Baupreise sind gesunken, es wird schneller und sorgfältiger gearbeitet. Zu schweigen von den niedrigeren Finanzierungskosten.

Für private und öffentliche Bauherren hat sich die Rezession also bestimmt gelohnt. Aber auch in der Wirtschaft ist die Überzeugung weit verbreitet: Im Grunde hatte der Konjunkturrückgang mehr Vorteile als Nachteile. Endlich ist es gelungen, den Kostenauftrieb zu bremsen.

Die Lohnkosten sind erstmals rückläufig. Der Krankenstand ist weit geringer als in den vergangenen Jahren. Der Rotstift regiert in Personalbüros, in den Werkstätten und auf den Direktionsetagen. Die Ergebnisse sind häufig verblüffend.

Die Rezession, so scheint es, war eine Art Gesundbrunnen für die Wirtschaft, aus dem sie nun gestärkt hervorsteigen kann. Schlacken wurden ausgeschieden und Fehlentscheidungen der Vergangenheit korrigiert.

Das wichtigste Ergebnis aber: Selten waren wir dem Ideal der Geldwertstabilität so nahe wie heute. Zwar steigen immer noch gewisse Preise, wie etwa für Wohnung und Benzin. Doch das ist auf Sondereinflüsse wie die Aufhebung der Wohnungsbewirtschaftung und den Nahostkonflikt zurückzuführen. Die schleichende Inflation, soweit sie konjunkturbedingt war, ist mehr oder weniger zum Stillstand gekommen.

Aber für diese Stabilität wurde ein hoher Preis gezahlt; und manche glauben, ein zu hoher Preis. Wenn das zweite Konjunkturprogramm wirksamer ist als das erste, besteht einige Hoffnung, daß Produktion und Umsätze der Wirtschaft im Laufe des nächsten Jahres wieder den Stand von 1966 erreichen. Doch selbst in diesem relativ günstigen Falle, und wenn auch außenwirtschaftlich sich alles so anläßt, wie es erhofft wird, hätte die Bundesrepublik zwei Jahre Wirtschaftswachstum verschenkt. In Zahlen ausgedrückt heißt das: