Frankfurt am Main

Vor zwei Jahren, da steckte der Frankfurter Zoodirektor Professor Bernhard Grzimek noch zurück. Zu Anfang des Jahres 1965 beugte er sich der Forderung der deutschen Pelzwirtschaft und des Kürschnerhandwerks und versicherte, er werde in Zukunft nicht mehr behaupten, daß sich Frauen, die Mäntel aus Fellen der Raubkatzen tragen, der Begünstigung und der Hehlerei schuldig machen könnten.

Der Pelzkrieg des Tierliebhabers hatte mit einem Brief an die italienische Filmschauspielerin Gina Lollobrigida begonnen, in dem er auf die Möglichkeit der Hehlerei und Begünstigung hingewiesen hatte, weil nach seiner Kenntnis weit mehr Leopardenfelle verarbeitet würden wie Leoparden von den Regierungen in Afrika jährlich zum Abschuß freigegeben seien.

Heute ist Grzimek hartnäckiger. Er ist entschlossen, seine Fehde mit dem Pelzhandel durch alle Gerichtsinstanzen zu führen.

Es geht um die Robben-Babys.

In einer Fernsehsendung hatte Grzimek im Mai erneut die Praxis von kanadischen Robbenschlägern kritisiert und seinen Zuhörern vom Kauf von Robbenmänteln abgeraten, „weil große Chancen bestehen, daß auch Sie Mäntel von Häuten tragen, die den Robben-Babys lebendig abgezogen wurden“.

Der Verband der Pelzwirtschaft sah in dieser Mahnung eine öffentliche Aufforderung zum Boykott und erwirkte eine Einstweilige Verfügung, mit der Grzimek untersagt wurde, solche Äußerungen zu wiederholen.