Bundeswirtschaftsminister Professor Schiller hat uns mit einem neuen Schlagwort beglückt: Volksobligationen, Sie sollen dazu beitragen, die kurzfristige Staatsverschuldung langfristig zu konsolidieren. Wie diese Volksobligationen allerdings aussehen und in welcher Form sie verkauft werden sollen, war von Schiller bisher nicht zu erfahren. Im Bundeswirtschaftsministerium, wo man durch die allseits negative Reaktion in der Öffentlichkeit offenbar verschreckt war, wird dieses Thema inzwischen bewußt heruntergespielt. Auch die Bundesbank soll von dem Schillerschen Husarenritt nicht gerade entzückt gewesen sein.

Inzwischen ist bekanntgeworden, daß Referenten im Bundeswirtschaftsministerium daran denken, Volksobligationen den Arbeitnehmern statt Lohnerhöhungen anzubieten. Dieses „Zwangssparen“ soll ihnen dann durch steuerliche Privilegien versüßt werden. Das sind gefährliche Pläne; denn damit wird nicht nur eine neue Form der Subvention geschaffen, sondern gleichzeitig eine Schwächung des normalen Rentenmarktes herbeigeführt. Sie müßte zwangsläufig der Politik der Zinssenkung, Bestandteil der Konjunkturförderung, entgegenlaufen.

Ist es dem Bundeswirtschaftsminister wirklich nicht bekannt, daß der Rentenmarkt jetzt Ruhe braucht? Er darf nicht durch unausgegorene Pläne in seiner Gesundung gestört werden. Ziel muß es sein, breite Bevölkerungskreise dem Sparen in öffentlichen Anleihen nahezubringen, ohne ihnen mehr zu bieten als eine angemessene Verzinsung. Subventionen führen nur zu einer Scheinblüte. kw