Von Horst Janssen

Was ist das: Es ist nicht abgeschossen worden und liegt im Briefkasten. Antwort: Das ist Teils Geschoß. Diesen gewaltigen Unsinn verdanken wir einer „geistig sinnlichen Setzung“ von Wortarabesken, getan oder richtiger: gesetzt von Prof. E. W. Nay (nicht zu verwechseln mit Prof. E. Ney, einer berüchtigten Beethoven-Interpretin) zum 100. Geburtstag Emil Noldes.

Nolde? so könnten Sie fragen. Was ist mit Nolde? Was hat er in diesem Zusammenhang hier zu spielen? Etwa die Rolle des Briefkastens in jenem Schweizer Freiheitsdrama? Nein, es ist von dem Nolde die Rede, der, den Rücken gegen Venedig gewendet, auf den Alpen hockte und ins Tal sinnierte und den Walter Jens eben auf der vorgestrigen Geburtstagsfete dem erstaunten Publikum als denn doch Maler interpretierte. Als Maler in dem Sinne, in dem uns der alte Schnick-Schnack lehrt, daß Maler wohl malen, aber nicht reden sollten. Und dies ist, glaub’ ich, von Goethe.

Zum Thema: Werner Haftmann nahm jüngst die 67er Kollektion von Prof. Nay (Streifen) zum Anlaß, festzustellen, daß das, was er als groß erachtet, nicht eben nur groß, sondern auch selten ist und, einmal aufgetreten, selten direkte Nachfolge hat und daß überhaupt alles sehr traurig ist – seit damals.

Wieland Schmied, daraufhin, wollte dies in einer zarten Antwort relativieren. Wollte relativieren, was nicht zu relativieren ist, will man nicht Unverbindlichkeit pflegen. Das wiederum stachelte den Professor Nay zum Leserbriefschreiber auf. Das Resultat liegt vor, und es enthält einen Punkt, der Sühne verlangt.

Nämlich vom „Literaten“ Schmied spricht er, und das stinkt, und riechen müssen es:

Arcimboldo, Voltaire und Chodowiecki,