Die Ouvertüre war auf Dur gestimmt. Noch vor dem Berliner „Tag der Heimat 1967“ hatten sich die Vertriebenen mit Bischof Scharf, dem Verfechter der sogenannten Ostdenkschrift, ausgesöhnt. Reinhold Rehs, der besonnenste unter den bisherigen Vertriebenen-Präsidenten, hatte sich für ein Grußwort des Kirchenmannes bedankt, der noch vor einem Jahr als „falscher Prophet“ und „Verzichtler“ beschimpft worden war. „Weil es uns eine Hoffnung gibt“, so gab Rehs als Begründung an, „daß der durch die Ostdenkschrift entstandene Konflikt mit der evangelischen Kirchenführung überwunden werden kann“.

Das war neu im Vertriebenen-Vokabular.

Doch jener Versöhnungs-Vorschuß erwies sich schon bald darauf, bei der Kundgebung in der Waldbühne im Grunewald, als dürre Versprechung. Dort drohte der Berliner Landesvorsitzende der Vertriebenen, Hans Matthee: „Wir sind nicht gewillt, uns dem Terror von innen oder dem Diktat von außen zu beugen.“

Das wiederum ist die Sprache aus dem Wörterbuch der Kalten Krieger. So wird sich die evangelische Kirche denn doch für eine neue Runde in der alten Kontroverse um ihre Ostdenkschrift rüsten müssen. D. St.