Welche Greuel das zwanzigste Jahrhundert auch hervorbringt, es ist wegen seiner Tendenz, das ganze Leben auf seine letztmöglichen Alternativen zu beschränken, eine ungemein erregende Zeit.

Norman Mailer

Hexe bleibt Hexe

Einen Antrag auf Wiederaufnahme der Hexenprozesse, im Verlauf derer im 17. Jahrhundert in Bamberg Hunderte von Personen gefoltert und hingerichtet wurden, stellte der Bamberger Gärtner Adam Leumer beim dortigen Landgericht. Vom stellvertretenden Landgerichtspräsidenten erhielt er daraufhin die Antwort, daß nur enge Familienangehörige der damals verurteilten Hexen ein Verfahren zur Rehabilitierung ihrer Vorfahren fordern könnten. Womit die Hexen auch weiterhin Hexen bleiben werden, denn wer sieht sich schon gern um so ehrwürdige Familiengeschichte beraubt.

Bremer Unbehagen

Der Fraktionsvorsitzende der Bremer CDU überraschte die Öffentlichkeit mit der Nachricht, daß der Senator für das Bildungswesen Moritz Thape (SPD) sich offenbar nicht genügend für die Bremer Universitätspläne eingesetzt habe: Weder sei der von Thape angekündigte neue Beratungsausschuß bisher zu verbindlichen Sitzungen zusammengetreten, noch habe man von dem Angebot der Universität Göttingen Gebrauch gemacht, Gründungshilfe zu leisten. Anfang dieses Jahres war der erste Bremer Gründungsausschuß zurückgetreten, weil „das Vertrauensverhältnis zu den verantwortlichen Politikern zerstört“ war. Die SPD hat, so scheint es, in der Zwischenzeit nicht allzuviel getan, um es wieder zu reparieren.

Trude Hesterberg

Sie war, wie einst ein Kritiker schrieb, „ein Bataillon Schauspielerinnen wert“, sie war im Theater ebenso zu Hause wie in der Operette, im Kabarett wie bei Funk und Film. Im Alter von 75 Jahren ist Trude Hesterberg am 31. August nach längerem Herzleiden in München gestorben. Die Reinhardt-Elevin debütierte vor dem Ersten Weltkrieg in „George Dandin“ an Moissis Seite. Während des Krieges dann wechselte sie über zum Kabarett und zur Revue; man sah sie als „Lustige Witwe“ oder Pompadour, in prunkstrotzenden Operetten oder als Star der großen Revuen. Sie war Mitbegründerin der „Wilden Bühne“, dem funkelnden Kabarett der Tucholsky, Mehring, Heymann und Holländer und war im eigenen Hause die erste der Barrikadenstürmer. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging sie nach München. Sie spielte in der Kleinen Komödie „Kleopatra II.“ und feierte an den Kammerspielen als Mrs. Peachum in der „Dreigroschenoper“ große Triumphe. Seit einem Bühnenunfall 1964 hatte sich ihr Gesundheitszustand ständig verschlechtert, in der Öffentlichkeit wurde sie kaum noch gesehen.