Es gibt prächtige und weniger prächtige Museums-Buchreihen. Auch die weniger prächtigen leisten, was man von ihnen erwartet: zuverlässige Information. Und es gibt, in der Spitzenklasse, „Die schönsten Museen der Welt“, die DuMont Schauberg in Köln zusammen mit dem New Yorker Verlag Harry N. Abrams Inc. herausbringt. Ein verlegerischer Clou und Augenschmaus, von Kennern für Kenner zubereitet, l’art pour Part, die sich geschäftlich sicher nicht auszahlt. Der neueste Band behandelt das Rijksmuseum („Das Rijksmuseum in Amsterdam“; Einleitung von A. F. E. van Schedel, Bildtexte von B. Haak; mit 42 Farbtafeln und 164 Schwarzweiß-Abb., 86, – DM).

Kein Buch für Touristen, die, wenn sie in Amsterdam sind, eben auch die „Nachtwache“ sehen wollen. Sondern für Leute, die übers Wochenende nach Amsterdam fahren, weil sie wieder einmal ins Rijksmuseum wollen. Sie wissen, daß sie hier kein Panorama der Weltkunst erwartet, wie im Louvre. Das Rijksmuseum bietet nicht ausschließlich, aber überwiegend Kunst des eigenen Landes.

Der Bildband gibt, in der ersten Hälfte, eine komprimierte Übersicht über die niederländische Malerei vom späten Mittelalter bis zu den Impressionisten. Die vorzügliche Auswahl der Bilder trägt noch einer weiteren Spezialität des Rijksmuseums Rechnung, die seine Liebhaber als ein Glück empfinden. Es besteht nämlich, trotz Frans Hals, der „Nachtwache“ und den vier Vermeers, nicht aus Meisterwerken. Das Gros der Bilder stammt von Künstlern, die man als zweitrangig zu bezeichnen pflegt, und diese sogenannt Zweitrangigen sind nirgends so gut vertreten wie in Amsterdam.

Das Museum beherbergt außer der Gemäldegalerie weitere Abteilungen und ganze Museen, von deren Existenz ich teilweise erst durch die Bildbeispiele im zweiten Teil des Bandes erfahren habe. Es besitzt eine historische Abteilung, die an das Zeughaus in Preußisch-Berlin erinnert: zerschlissene Fahnen aus berühmten Seeschlachten. Im Drucker-Flügel ist seit 1952 das Museum für Asiatische Kunst mit offenbar sehr gutem Material untergebracht. Ähnliches gilt für Keramik, für Textilien und Möbel, die man im Rijksmuseum kaum vermutet.

Das Museum hat klein angefangen. Es wurde 1808 in drei Sälen und zwei Zimmern des königlichen Palastes eröffnet. Sein Gründer war Louis Bonaparte. Interessante Einzelheiten aus seiner Geschichte bis zum Umzug in den heutigen neugotischen Backsteinbau berichtet der Generaldirektor der Sammlungen, A. F. E. van Schedel, in der Einleitung.

Dagegen sollte man die Bildtexte am besten nicht zur Kenntnis nehmen. Sie sind für Leute geschrieben, die von Kunst und Kunstbetrachtung keine Ahnung haben; aber derart Ahnungslose werden ein so aufwendiges und teures Buch bestimmt nicht kaufen. Die Bildbeschreibungen strotzen von Trivialitäten und Irrtümern. Niemand wird bestreiten, daß von der „Flußlandschaft bei Mondschein“ des Aert van der Neer „eine wundervolle Ruhe ausgeht“ – das ist bei nächtlichen Landschaften nichts Außergewöhnliches. „Während Mensch und Tier sich langsam auf die Nacht vorbereiten, senken durchsichtige Schatten sich langsam auf das Tal“: auf welches Tal? Der Fluß ist ein holländischer Fluß; das Land, durch das er fließt, ist flach wie ein Teller.

Gottfried Sello